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    Die Church of All Worlds (CAW) ist eine 1968 in den USA gegründete moderne pagane Religionsgemeinschaft. Sie zählt zu den ältesten öffentlich organisierten Gruppen des modernen amerikanischen Paganismus. Ihr Einfluss beruht weniger auf ihrer Mitgliederzahl als auf ihrer frühen Verbindung von Naturspiritualität, ökologischer Spiritualität, Gegenkultur und religiöser Gemeinschaftsbildung.

    Die Anfänge reichen in das Jahr 1962 zurück. Tim Zell, später bekannt als Oberon Zell-Ravenheart, und Richard Lance Christie gründeten am Westminster College in Missouri eine Gemeinschaft, die stark von Robert A. Heinleins Science-Fiction-Roman Stranger in a Strange Land beeinflusst war. Aus dem Roman übernahmen sie unter anderem das rituelle Teilen von Wasser als Zeichen enger Verbundenheit sowie den Namen „Church of All Worlds“.

    Aus dem zunächst philosophischen und sozialen Experiment entwickelte sich eine eigenständige Religion. 1967 bezeichnete Zell die Gemeinschaft öffentlich als „pagan“, 1968 wurde sie offiziell organisiert und 1970 in den USA steuerrechtlich als Religionsgemeinschaft anerkannt. Die CAW gehörte damit zu den ersten Organisationen, die den Begriff Paganismus bewusst als positive religiöse Selbstbezeichnung verwendeten.

    Im Laufe ihrer Entwicklung nahm die Church of All Worlds Elemente moderner Hexenreligionen, der Göttinnenspiritualität, zeremonieller Magie und des achtteiligen paganen Jahreskreises auf. Sie versteht sich jedoch nicht als Rekonstruktion einer bestimmten antiken Religion. Ihre Tradition wird vielmehr bewusst kreativ aus Literatur, Mythologie, Naturbeobachtung und moderner religiöser Erfahrung gestaltet.

    Zentral ist die Vorstellung der Erde als Gaia, einer lebendigen und heiligen Ganzheit. Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften gelten als Bestandteile eines miteinander verbundenen Lebenssystems. Daraus leitet die CAW eine ökologische Ethik ab, die Naturverbundenheit, persönliche Verantwortung und den Schutz der Erde betont. Göttlichkeit wird überwiegend als immanent verstanden, also als innerhalb der Welt und aller Lebewesen gegenwärtig.

    Lokale Gruppen heißen Nests, ihre Mitglieder bezeichnen sich häufig als Waterkin. Das gemeinsame Trinken oder Teilen von Wasser gilt als wichtigstes Sakrament und symbolisiert Wahlverwandtschaft und gegenseitige Verpflichtung. Eine bekannte Grußformel lautet „Thou art God/dess“ – „Du bist Gott/Göttin“ – und bringt die Vorstellung einer in jedem Menschen gegenwärtigen Göttlichkeit zum Ausdruck.

    Die CAW vertritt kein verbindliches Glaubensbekenntnis. Gottheiten können als reale Wesen, Naturkräfte, Archetypen oder religiöse Symbole verstanden werden. Verbindender als gemeinsame Glaubenssätze sind Rituale, Gemeinschaft, ökologische Verantwortung, persönliche Entwicklung und die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen.

    Bedeutenden Einfluss hatte die Zeitschrift Green Egg, die ab 1968 erschien. Sie wurde zu einem wichtigen Forum des frühen US-amerikanischen Paganismus und vernetzte Hexen, Druiden, Göttinnenverehrer und andere naturspirituelle Gruppen. Beiträge zu Ritual, Mythologie, Ökologie, Feminismus und Sexualität trugen zur Entstehung einer übergreifenden paganen Öffentlichkeit bei.

    Eine wichtige Vertreterin war Morning Glory Zell, Priesterin, Autorin und Partnerin Oberon Zells. In ihrem 1990 erschienenen Artikel A Bouquet of Lovers verwendete sie den Ausdruck „poly-amorous“ und beeinflusste damit die spätere Verbreitung des Begriffs Polyamorie. Die CAW gehörte zu den frühen religiösen Gemeinschaften, die einvernehmliche nichtmonogame Beziehungen und sexuelle Vielfalt ausdrücklich akzeptierten.

    Die Church of All Worlds durchlief mehrere Phasen von Wachstum, Rückgang und Neuorganisation. Sie besteht bis heute als kleine, dezentral organisierte Gemeinschaft. Ihre religionsgeschichtliche Bedeutung liegt vor allem in der frühen Institutionalisierung des modernen Paganismus, der Verbreitung ökologischer Spiritualität und der bewussten Verbindung von Religion, Science-Fiction und zeitgenössischer Kultur.