Schlagwort: Hexerei

  • Hexenwerk

    Die Redewendung „Das ist kein Hexenwerk“ bedeutet, dass etwas nicht besonders schwierig, sondern im Gegenteil recht einfach ist. Sie wird im Deutschen häufig verwendet, um auszudrücken, dass eine Aufgabe oder ein Problem keine übermäßigen Fähigkeiten oder speziellen Kenntnisse erfordert. Der Ausdruck geht auf das alte Wort Hexenwerk zurück, das im Volksglauben für magische oder geheimnisvolle Künste stand. Diese galten als etwas, das nur Eingeweihte beherrschten, und waren damit Sinnbild für etwas Kompliziertes oder Unerklärliches. Wer also sagt, etwas sei „kein Hexenwerk“, meint, dass man keine geheimen Kräfte oder übernatürlichen Fähigkeiten braucht, um es zu verstehen oder zu bewältigen.

    Laut dem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten ist die Wendung volkstümlichen Ursprungs; ihre genaue Entstehungszeit lässt sich nicht bestimmen. Sie spiegelt die alte Vorstellung wider, dass Magie mit Rätselhaftigkeit und schwer durchschaubaren Kräften verbunden war. Indem man diese Vorstellung umkehrt, entsteht der humorvolle Ausdruck, dass eine Sache eben  nicht so rätselhaft ist – also leicht zu begreifen.

    Ein fast identisches Pendant findet sich im Englischen mit der Redewendung „It’s not rocket science.“ Auch sie drückt aus, dass etwas nicht besonders kompliziert ist. Der Unterschied liegt in der Bildwelt: Während das Deutsche auf Magie, Hexerei und die geheimnisvolle Kunst des Mittelalters anspielt, verweist das Englische auf die moderne Wissenschaft, genauer gesagt auf die Raketenforschung, die seit der Raumfahrtzeit als Inbegriff technischer Komplexität gilt. Beide Redewendungen bedienen sich also gegensätzlicher Symbolik – hier das Mystische und Übernatürliche, dort die Technik und Präzision der Moderne –, um dieselbe Aussage zu treffen: Es handelt sich um etwas Einfaches.

    In der heutigen Sprachpraxis ist „kein Hexenwerk“ fest verankert. Die Wendung findet sich in Alltagsgesprächen ebenso wie in journalistischen Texten, Fachartikeln oder Bildungszusammenhängen. Sie wird genutzt, um Aufgaben zu entdramatisieren oder Mut zur Vereinfachung zu machen, etwa in Sätzen wie: „Verständlich zu schreiben ist beileibe kein Hexenwerk.“ Auch im Englischen ist „It’s not rocket science“ sehr gebräuchlich und begegnet einem regelmäßig in der Medien- und Alltagssprache. Beide Redewendungen sind also lebendige Bestandteile der modernen Kommunikation, auch wenn es keine exakten Häufigkeitsstudien dazu gibt.

    Dass sie bis heute so beliebt geblieben sind, liegt an mehreren Gründen. Zum einen sind sie bildhaft und prägnant: Sowohl das Motiv der Magie als auch das der Hochtechnologie rufen sofort klare Vorstellungen hervor und ermöglichen eine schnelle Einordnung. Zum anderen sind sie kulturell tief verankert – im Deutschen verweist das Hexenmotiv auf historische und volkstümliche Vorstellungen, während das englische Pendant die Faszination moderner Wissenschaft aufgreift. Schließlich eignen sich beide Redewendungen hervorragend für rhetorische Zwecke: Sie lassen sich leicht in Gesprächen, Texten oder Präsentationen einsetzen, um Komplexität zu relativieren oder um den Wert von Klarheit und Verständlichkeit hervorzuheben.

    In ihrer Bedeutung sind die beiden Ausdrücke also gleichwertig: Beide sagen, dass etwas nicht kompliziert ist. Unterschiede bestehen lediglich im kulturellen Hintergrund. „Kein Hexenwerk“ wirkt bodenständig und traditionell, es trägt den Charme einer volkstümlichen Redensart. „Not rocket science“ hingegen klingt modern, technisch und leicht ironisch, da es auf das scheinbar höchste Maß an wissenschaftlicher Schwierigkeit verweist. Beide Wendungen sind fest im Alltags- und Fachsprachgebrauch verankert und haben ihre Popularität bis heute nicht verloren.

    So zeigt sich, dass die deutsche Redewendung das Mysterium vergangener Zeiten in sich trägt, während die englische den Geist des technischen Fortschritts spiegelt. Beide aber erfüllen denselben Zweck – sie bringen mit einem augenzwinkernden Bild auf den Punkt, dass man für manches weder Zauberei noch Raketentechnik braucht.