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  • Mos maiorum

    Mos maiorum – lateinisch „Sitte der Vorfahren“, häufiger auch mores maiorum – bezeichnet die überlieferten Normen, Werte und Bräuche des antiken Rom. Es handelte sich nicht um ein festgeschriebenes Gesetzbuch oder eine Glaubenslehre, sondern um gesellschaftliche Regeln, politische Vorbilder, familiäre Pflichten und religiöse Traditionen. Damit verbunden waren Werte wie pietas – Pflichterfüllung gegenüber Göttern, Familie und Gemeinwesen –, fides – Treue und Verlässlichkeit – sowie Selbstbeherrschung und persönliche Tüchtigkeit.

    Der mos maiorum umfasste auch die römische Religion, war jedoch nicht selbst der Name einer Religion. Opfer, Gebete, Feste, Gelübde sowie der staatliche und häusliche Kult galten als überlieferte Pflichten. Religiöse Frömmigkeit zeigte sich vor allem in der korrekten Ausführung der Riten und weniger in persönlichen Glaubensbekenntnissen. Was als „Sitte der Vorfahren“ galt, war allerdings wandelbar und wurde häufig zur politischen Rechtfertigung bestehender Ordnungen oder von Reformen herangezogen.

    Im modernen römischen Heidentum, etwa in der Religio Romana oder im römischen Rekonstruktionismus, dient mos maiorum als Leitbegriff für die Wiederbelebung historischer Kultformen. Gebete, Opferhandlungen, Festkalender und häusliche Kulte werden anhand antiker Texte, Inschriften und archäologischer Erkenntnisse rekonstruiert. Dabei wird gewöhnlich zwischen religiösen Praktiken und überholten gesellschaftlichen Strukturen der Antike unterschieden. Der mos maiorum ist heute daher weniger eine eigenständige Religion als ein Traditionsprinzip für eine quellenbasierte und zeitgemäß angepasste römisch-heidnische Religionspraxis.