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  • Ogham

    Ogham ist ein frühmittelalterliches Schriftsystem, das vermutlich im 4. Jahrhundert zur Wiedergabe einer frühen Form des Irischen entstand. Die Zeichen bestehen aus Strichen oder Kerben, die an einer Stammlinie angeordnet sind. Auf den erhaltenen Oghamsteinen bildet meist eine Steinkante diese Linie; gelesen wurde gewöhnlich von unten nach oben.

    Das ursprüngliche Alphabet umfasste zwanzig Zeichen, später kamen fünf Ergänzungszeichen hinzu. Mehr als 400 Oghamsteine sind bekannt, vor allem aus Irland, aber auch aus Wales, Schottland und anderen Teilen der Britischen Inseln. Ihre meist kurzen Inschriften nennen Personen, Abstammungslinien oder Besitzverhältnisse.

    Im Mittelalter wurde Ogham auch als gelehrtes Ordnungs- und Gedächtnissystem verwendet. Da einige Buchstabennamen Bäume bezeichnen, entwickelte sich später die Vorstellung eines „keltischen Baumalphabets“. Historisch trifft dies jedoch nur auf einen Teil der Zeichen zu.

    Im modernen Paganismus und Druidentum dient Ogham häufig der Meditation, Symbolarbeit und Divination. Solche Orakelsysteme sind überwiegend moderne Weiterentwicklungen; ein festes vorchristliches Ogham-Orakel ist historisch nicht belegt.