Die Feri-Tradition, auch Faery, Faerie oder Anderson Feri genannt, ist eine initiatorische Richtung der modernen Hexenkunst. Sie entstand in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Kalifornien im Umfeld von Victor und Cora Anderson. Historisch handelt es sich nicht um eine ungebrochene vorchristliche Überlieferung, sondern um eine moderne, synkretistische Tradition mit Einflüssen aus Wicca, Volksmagie, westlicher Esoterik, Dichtung und persönlichen spirituellen Erfahrungen.
Zu den prägenden Gestalten gehörte neben den Andersons Gwydion Pendderwen, der walisische Motive und eigene Ritualdichtungen einbrachte. Die Bezeichnung „Feri“ wurde später bevorzugt, um die Tradition von anderen Faery- oder Feenströmungen abzugrenzen.
Im Mittelpunkt vieler Feri-Linien steht die Sternengöttin, die als ursprüngliche und in sich vollständige Gottheit verstanden wird. Das Göttliche gilt als in Körper, Natur, Sexualität, Kreativität und Bewusstsein gegenwärtig. Feri ist daher stark körperbezogen, mystisch und ekstatisch. Trance, Gesang, Tanz, Atemarbeit, Ritual und poetische Sprache spielen eine wichtige Rolle.
Bekannte Lehren der Tradition sind die Vorstellung von den drei Seelen sowie das Eiserne Pentakel mit den Begriffen Sex, Selbst, Stolz, Leidenschaft und Macht. Ergänzt wird es durch das Perlenpentakel mit Liebe, Wissen, Weisheit, Gesetz und Freiheit. Beide dienen der Selbsterkenntnis, inneren Ausrichtung und ethischen Arbeit.
Feri unterscheidet sich von vielen Wicca-Traditionen durch die geringere Betonung einer festen männlich-weiblichen Polarität. Geschlecht und Sexualität werden vielfältiger verstanden, weshalb die Tradition früh eine besondere Offenheit gegenüber queeren Menschen entwickelte.
Da Victor Anderson sehr individuell unterrichtete, entstanden verschiedene Linien mit teils unterschiedlichen Ritualen und Deutungen. Feri blieb insgesamt klein, übte aber großen Einfluss auf das moderne Heidentum aus. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Starhawk und der daraus hervorgegangenen Reclaiming–Tradition.
Historisch ist Feri eine moderne Religion des 20. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung von Mystik, Körperlichkeit, Poesie, Magie und radikaler Selbsterkenntnis.