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Wiccan Rede

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Die Wiccan Rede ist ein bekannter ethischer Leitsatz des Wicca. Ihre verbreitetste Form lautet:

“An it harm none, do what ye will.”
Sinngemäß: „Wenn es niemandem schadet, tue, was du willst.“

Das englische Wort rede bedeutet „Rat“ oder „Ratschlag“. Die Wiccan Rede ist daher kein verbindliches religiöses Gesetz, sondern eine ethische Orientierung. Sie verbindet persönliche Freiheit mit der Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns.

Historisch ist die Rede keine überlieferte Vorschrift einer vorchristlichen Hexenreligion. Gerald Gardner erwähnte 1954 in Witchcraft Today einen ähnlichen Grundsatz und bezog sich dabei auf Pierre Louÿs’ Roman Les Aventures du roi Pausole von 1901. Die bekannte gereimte Kurzform wurde 1964 von Doreen Valiente öffentlich verwendet und vermutlich von ihr geprägt.

Von diesem Zweizeiler ist die sogenannte Lange Wiccan Rede zu unterscheiden. Dieses Gedicht enthält Regeln und Ratschläge zu Ritualen, Mondphasen, Jahreskreisfesten und magischem Verhalten. Eine Fassung wurde 1975 von Gwen Thompson veröffentlicht und ihrer Großmutter Adriana Porter zugeschrieben. Eine Entstehung vor der Entwicklung des modernen Wicca ist jedoch nicht belegt.

Inhaltlich fordert die Rede nicht dazu auf, beliebige Wünsche auszuleben. Sie verlangt vielmehr, unnötige Schäden zu vermeiden, unterschiedliche Folgen abzuwägen und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen. Da nahezu jede Handlung nachteilige Folgen haben kann, ist sie nicht als absolutes Gebot völliger Schadensfreiheit zu verstehen.

Auch ein ausnahmsloses Verbot von Schutz-, Bann- oder Abwehrmagie lässt sich aus ihr nicht eindeutig ableiten. Entscheidend sind Absicht, Notwendigkeit, Verhältnismäßigkeit und mögliche Alternativen.

Die Wiccan Rede ist außerdem nicht mit der Dreierregel gleichzusetzen, nach der Handlungen dreifach auf den Handelnden zurückwirken sollen. Die Rede ist ein ethischer Ratschlag, die Dreierregel dagegen eine Vorstellung über magische oder kosmische Folgen.

Heute gehört die Wiccan Rede zu den bekanntesten Leitsätzen des modernen Hexentums. Sie gilt jedoch nicht für alle Wiccans und erst recht nicht für alle heidnischen oder magischen Traditionen. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, Freiheit nicht als Beliebigkeit, sondern als verantwortungsbewusstes Handeln zu verstehen.

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