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Rodismus

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Rodismus, international meist Rodnovery, Rodnoverie oder Slavic Native Faith genannt, bezeichnet moderne religiöse Bewegungen, die vorchristliche Traditionen slawischer Kulturen rekonstruieren und wiederbeleben. Regionale Bezeichnungen sind unter anderem russisch rodnoverie, ukrainisch ridnovirstvo und polnisch rodzimowierstwo. Die Namen lassen sich sinngemäß als „angestammter“ oder „heimischer Glaube“ übersetzen. Religionswissenschaftlich gehört der Rodismus zum modernen Paganismus und zu den neuen religiösen Bewegungen.

Der Rodismus ist keine einheitliche Religion. Er umfasst zahlreiche nationale und lokale Gemeinschaften mit unterschiedlichen Lehren, Ritualen und Organisationsformen. Die Bezeichnung leitet sich vom slawischen Wortfeld rod ab, das unter anderem Herkunft, Geburt, Verwandtschaft und Abstammung bezeichnet. Sie bedeutet nicht, dass alle Rodisten hauptsächlich einen Gott namens Rod verehren. Während Rod in einigen Strömungen als göttlicher Ursprung oder Ahnherr gilt, spielt er in anderen kaum eine Rolle.

Rodistische Gemeinschaften berufen sich auf die Religionen der Slawen vor ihrer Christianisierung. Zu den verehrten Gottheiten gehören je nach Region Perun, Veles, Mokoš, Svarog, Dažbog, Svetovid, Jarilo und Morana. Daneben besitzen Ahnen, Naturkräfte und lokale Geister häufig große Bedeutung. Die Gottheiten werden teils als eigenständige Wesen, teils als Erscheinungsformen einer umfassenden göttlichen Wirklichkeit oder als Personifikationen natürlicher Kräfte verstanden.

Die historische slawische Religion ist nur unvollständig überliefert. Die wichtigsten Quellen sind mittelalterliche Chroniken und Predigten, archäologische Funde sowie später aufgezeichnete Volksüberlieferungen. Da viele Texte von christlichen Autoren stammen und volkskundliche Quellen erst lange nach der Christianisierung entstanden, lässt sich die frühere Religion nicht vollständig rekonstruieren. Der heutige Rodismus ist daher keine unverändert fortbestehende vorchristliche Tradition, sondern eine moderne Verbindung aus historischen Quellen, Volkskunde, vergleichender Mythologie und gegenwärtiger religiöser Gestaltung.

Vorläufer des Rodismus entstanden im 19. Jahrhundert im Umfeld der slawischen Romantik und nationaler Kulturbewegungen. Erste ausdrücklich religiöse Gemeinschaften bildeten sich im frühen 20. Jahrhundert, besonders in Polen und der Ukraine. Seit den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden neue Gruppen in der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten. Nach dem Ende der kommunistischen Systeme verbreitete sich die Bewegung verstärkt in Russland, der Ukraine, Polen, Belarus, Tschechien, der Slowakei und auf dem Balkan.

Rodistische Rituale finden häufig im Freien statt. Typische Elemente sind Feuer, Gebete, Gesänge, Kreistänze, gemeinsame Mahlzeiten sowie Opfergaben aus Brot, Getreide, Honig, Milch, Bier oder Met. Der Festkalender orientiert sich an Jahreszeiten, Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und landwirtschaftlichen Zyklen. Verbreitet sind unter anderem Koliada zur Winterzeit und Kupala im Sommer. Die genaue Gestaltung unterscheidet sich zwischen den Gemeinschaften.

Eine allgemein anerkannte heilige Schrift besitzt der Rodismus nicht. Das sogenannte Buch von Veles, das in einigen osteuropäischen Gruppen als Quelle verwendet wird, gilt in der sprach- und geschichtswissenschaftlichen Forschung als neuzeitliche Fälschung. Auch Vorstellungen wie die kosmische Dreiteilung in Prav, Jav und Nav beruhen wesentlich auf modernen Systematisierungen und können nicht sicher als Bestandteile der historischen slawischen Religion nachgewiesen werden.

Ein zentrales Thema vieler rodistischer Strömungen ist die Verbindung von Religion, Landschaft, Sprache, Herkunft und kultureller Identität. Manche Gemeinschaften verstehen den Rodismus als ethnisch gebundene Religion, andere stehen Menschen unabhängig von ihrer Abstammung offen. Ebenso unterschiedlich ist die politische Ausrichtung. Neben unpolitischen, ökologischen und kulturell orientierten Gruppen existieren auch nationalistische und rechtsextreme Strömungen. Der gesamte Rodismus darf jedoch nicht mit solchen Ideologien gleichgesetzt werden.

Religionswissenschaftlich lässt sich der Rodismus am treffendsten als moderne slawische Rekonstruktions- und Revitalisierungsreligion verstehen. Er verbindet historische Überlieferungen mit gegenwärtigen religiösen Bedürfnissen und schafft daraus neue Traditionen, Gemeinschaftsformen und Identitätsmodelle.

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