Der Gehörnte Gott ist eine zentrale männliche Gottheitsgestalt des modernen Wicca und einiger verwandter paganer Traditionen. Er steht meist für die wilde Natur, Tierwelt, Fruchtbarkeit, Sexualität, Jagd sowie den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Häufig wird er als göttlicher Partner der Göttin verstanden; beide bilden im Wicca unterschiedliche, aber einander ergänzende Aspekte des Göttlichen.
Seine Hörner oder sein Geweih symbolisieren Naturkraft, Tierverbundenheit und zyklische Erneuerung. Im Jahreskreis kann der Gott das Wachsen, Reifen und Vergehen der Vegetation sowie den Lauf der Sonne verkörpern. Manche Traditionen verbinden ihn mit Gestalten wie Cernunnos, Pan, Herne dem Jäger, dem Grünen Mann oder dem Eichen- und Stechpalmenkönig.
Der Gehörnte Gott ist jedoch keine historisch nachweisbare gesamteuropäische Urgottheit. Seine moderne Gestalt entstand vor allem im 20. Jahrhundert aus der Verbindung verschiedener mythologischer, volkskundlicher und esoterischer Motive. Besonders einflussreich waren Gerald Gardners Wicca und Margaret Murrays heute widerlegte Theorie eines fortbestehenden vorchristlichen Hexenkultes.
Trotz seiner Hörner ist der Gehörnte Gott nicht mit dem christlichen Teufel gleichzusetzen. Im modernen Paganismus gilt er gewöhnlich als positive, lebensbejahende und naturbezogene Macht. Seine Bedeutung ist nicht einheitlich: Er kann als persönliche Gottheit, Naturkraft, Archetyp oder Symbol einer naturverbundenen Männlichkeit verstanden werden. Außerhalb des Wicca spielt er in vielen paganen und rekonstruktionistischen Religionen keine oder nur eine geringe Rolle.
