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Baphomet

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Baphomet ist eine symbolische Gestalt der westlichen Esoterik, die heute meist als geflügeltes Wesen mit Ziegenkopf, menschlichem Körper, Hörnern, Brüsten und einer Fackel zwischen den Hörnern dargestellt wird. Obwohl die Figur häufig mit Satan oder einem mittelalterlichen Dämon gleichgesetzt wird, entstand ihre bekannte bildliche Form erst im 19. Jahrhundert. Sie geht wesentlich auf den französischen Okkultisten Éliphas Lévi zurück.

Der Name Baphomet wurde vor allem durch den Prozess gegen den Templerorden zu Beginn des 14. Jahrhunderts bekannt. Den Templern wurde unter anderem vorgeworfen, einen geheimnisvollen Kopf oder Götzen zu verehren. Die Aussagen der verhörten Ordensmitglieder widersprachen sich jedoch stark und entstanden teilweise unter Folter. Ein einheitlicher Templerkult um Baphomet ist historisch nicht nachweisbar. Sprachgeschichtlich gilt der Name meist als mittelalterliche Umformung von Mahomet, einer damaligen europäischen Bezeichnung für den Propheten Muhammad. Spätere esoterische Herleitungen besitzen keine vergleichbare sprachwissenschaftliche Grundlage.

Die heute verbreitete Darstellung schuf Éliphas Lévi in seinem Werk Dogme et rituel de la haute magie von 1855/56. Lévi bezeichnete die Figur unter anderem als „sabbatischen Bock“ und „Bock von Mendes“. Sie war jedoch nicht als historisch getreue Abbildung eines Templeridols gedacht, sondern als allegorisches Lehrbild. Baphomet verkörpert bei Lévi die Vereinigung und Ausbalancierung scheinbarer Gegensätze: Mensch und Tier, Geist und Materie, männlich und weiblich, Licht und Dunkelheit.

Die einzelnen Merkmale der Figur sind entsprechend symbolisch gestaltet. Der Ziegenkopf steht für die tierische und naturhafte Seite des Menschen. Die Fackel zwischen den Hörnern bezeichnet die erkennende Intelligenz, die sich über den Instinkt erhebt, ohne ihn zu vernichten. Auf der Stirn befindet sich ein aufrechtes Pentagramm, das bei Lévi geistige Ordnung und die Herrschaft des Bewusstseins über die Materie symbolisiert.

Ein Arm Baphomets weist nach oben, der andere nach unten. Diese Haltung erinnert an die hermetische Vorstellung der Entsprechung von Himmel und Erde beziehungsweise von „oben“ und „unten“. Auf den Armen stehen die alchemistischen Begriffe Solve und Coagula, „löse auf“ und „füge zusammen“. Sie bezeichnen den Vorgang, bestehende Formen zu zerlegen und ihre Bestandteile anschließend neu zu verbinden.

Die weiblichen Brüste und der zugleich männlich wirkende Körper machen Baphomet zu einer androgynen Gestalt. Lévi verstand diese Verbindung als Sinnbild von Ganzheit, Zeugungskraft und der Vereinigung komplementärer Prinzipien. Anstelle deutlich dargestellter Geschlechtsorgane erscheint ein Caduceus, der von zwei Schlangen umwundene Stab des Hermes. Auch er verweist auf schöpferische Kräfte und die Verbindung von Gegensätzen.

Lévis Baphomet war ursprünglich weder mit Satan identisch noch als Gegenstand einer Teufelsverehrung gedacht. Die enge Verbindung mit dem modernen Satanismus entstand erst später. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Ziegenkopf in einem umgekehrten Pentagramm dargestellt; im 20. Jahrhundert übernahm die Church of Satan ein entsprechendes Zeichen als Sigil of Baphomet. Dieses Emblem ist von Lévis vollständiger Baphomet-Figur zu unterscheiden. Auch der Satanic Temple verwendet seit dem 21. Jahrhundert eine veränderte Baphomet-Statue als Symbol religiöser Gleichbehandlung und staatlicher Neutralität.

In der Gegenwart kann Baphomet je nach Zusammenhang für esoterische Erkenntnis, Naturkräfte, Androgynie, Selbstbestimmung, Nonkonformismus oder Widerstand gegen religiöse Autorität stehen. Historisch handelt es sich nicht um eine unverändert überlieferte Gottheit, sondern um ein vielschichtiges Symbol, das aus mittelalterlicher Polemik hervorging, im 19. Jahrhundert esoterisch neugestaltet und später satanistisch, künstlerisch und politisch weitergedeutet wurde.

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