Die Fellowship of Isis (FOI; deutsch etwa „Gemeinschaft der Isis“) ist eine internationale, göttinnenzentrierte Religionsgemeinschaft des modernen Paganismus. Sie wurde 1976 von Olivia Durdin-Robertson, ihrem Bruder Lawrence Durdin-Robertson und dessen Ehefrau Pamela Durdin-Robertson auf Huntington Castle im irischen County Carlow gegründet. Das Schloss, innerhalb der Gemeinschaft häufig Clonegal Castle genannt, beherbergt einen Tempelkomplex mit mehreren Kapellen und gilt als Gründungszentrum der Organisation.
Im Mittelpunkt der FOI steht Isis, die Göttin der altägyptischen Religion, die hier jedoch nicht ausschließlich in ihrer historischen Gestalt verehrt wird. Sie gilt als „Göttin der zehntausend Namen“ und damit als universale Erscheinungsform des weiblichen Göttlichen. Unterschiedliche Göttinnen zahlreicher Kulturen können als eigenständige Gottheiten oder als Ausdruck einer umfassenden göttlichen Wirklichkeit verstanden werden. Auch männliche Gottheiten werden verehrt, doch die weibliche Dimension des Göttlichen besitzt besondere Bedeutung.
Die Gemeinschaft versteht sich als multireligiös, international und nicht exklusiv. Ihre Mitglieder dürfen zugleich anderen Religionen oder spirituellen Traditionen angehören. Es gibt keine verbindliche Glaubenslehre und kein vorgeschriebenes Gottesbild. Isis kann beispielsweise als personale Göttin, kosmische Mutter, Naturkraft, spirituelles Urbild oder Symbol einer universalen Gottheit aufgefasst werden. Mitgliedschaft und Teilnahme sind grundsätzlich freiwillig und kostenlos.
Die religiöse Praxis umfasst Gebete, Meditationen, Orakel, jahreszeitliche Feste, Initiationen und dramatisch gestaltete Mysterienspiele. Viele der verwendeten Rituale wurden von Olivia Robertson verfasst. Sie verbinden Motive aus ägyptischen, griechischen, keltischen, indischen und weiteren religiösen Traditionen mit moderner Esoterik, Psychologie und persönlicher spiritueller Offenbarung. Die FOI ist deshalb keine Rekonstruktion der altägyptischen Religion, sondern eine moderne synkretistische Religionsbildung.
Organisatorisch ist die Fellowship of Isis stark dezentralisiert. Mitglieder können allein praktizieren oder sich lokalen Gruppen anschließen. Als Iseums werden lokale Heiligtümer oder Gemeinschaften bezeichnet. Lyceums dienen der religiösen Ausbildung innerhalb des College of Isis. Weitere Zweige sind der druidisch ausgerichtete Druid Clan of Dana und der Noble Order of Tara, der ritterliche Symbolik mit Natur- und Umweltschutz verbindet. Daneben bestehen verschiedene Priester-, Ausbildungs- und Künstlergemeinschaften.
Die Einheit der zahlreichen selbstständigen Gruppen beruht vor allem auf dem Manifest der Fellowship und den von ihrem Gründungszentrum anerkannten Strukturen. Olivia Robertson prägte die Gemeinschaft durch ihre Rituale, Schriften und persönliche Autorität bis zu ihrem Tod 2013. Bereits 2011 hatte sie ihre Nichte Cressida Pryor zur Steward, also zur Verwalterin des Gründungszentrums und Bewahrerin des spirituellen Erbes, bestimmt.
Seit den 1980er-Jahren verbreitete sich die Fellowship of Isis in Europa, Nordamerika, Afrika und weiteren Regionen. Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielt sie durch ihre Teilnahme am Parliament of the World’s Religions 1993 in Chicago. Die von der Organisation genannten Mitgliederzahlen sind jedoch schwer überprüfbar, da keine regelmäßige Aktivität oder erneute Bestätigung der Mitgliedschaft erforderlich ist.
Religionsgeschichtlich gehört die Fellowship of Isis zur modernen Göttinnenbewegung und weist Einflüsse aus westlicher Esoterik, Spiritualismus, Wicca und modernem Druidentum auf. Behauptungen einer direkten spirituellen oder priesterlichen Kontinuität zum antiken Isiskult sind als religiöse Selbstaussagen zu verstehen; historisch nachweisbar ist eine solche ununterbrochene Verbindung nicht. Die Bedeutung der FOI liegt vor allem darin, der modernen Göttinnenspiritualität eine internationale, institutionelle und umfangreich ausgearbeitete rituelle Form gegeben zu haben.
