Schlagwort: Spiritualität

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  • Paganismus

    Der Begriff Paganismus (oder im Deutschen Heidentum) ist ein Überbegriff für eine große Vielfalt an polytheistischen (Götter verehrenden), duotheistischen und pantheistischen Traditionen. Er steht traditionell im Gegensatz zu den sogenannten abrahamitischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam). Ursprünglich bezeichnete er die vorchristlichen Religionen Europas und des Nahen Ostens, wird heute aber als Dachbegriff für die modernen, neuheidnischen (neopaganen) Strömungen verwendet.

    Der lateinische Ursprung des Wortes ist „paganus“, was „Landbewohner“ oder „Zivilist“ bedeutet.
    • Der Landbewohner: Der Begriff entstand zu Beginn der Christianisierung im Römischen Reich. Frühe Christen verwendeten „paganus“ oft abwertend, um jene zu bezeichnen, die nicht zum neuen Glauben übergetreten waren. Da die neue Religion zunächst eher in den Städten Fuß fasste, blieb die ländliche Bevölkerung länger den alten Göttern und Bräuchen treu. Diese Landbewohner waren auch unmittelbarer mit dem Kreislauf der Natur verbunden, etwa der Verehrung von Flüssen oder dem Wissen um Fruchtbarkeit. „Paganus“ hatte dabei den Beigeschmack von „doofes Landei“.
    • Der Zivilist: Eine weitere Interpretation von „paganus“ entstand durch das Gegensatzpaar zum „Miles Christi“ (christlicher Soldat), einer Vorstellung, die durch die Verbreitung des Christentums im römischen Militär gefördert wurde. In diesem Kontext stand der „paganus“ für den „Zivilisten“.

    Historisches Heidentum und seine Wiederbelebung
    Das historische Heidentum umfasst eine enorme Vielfalt, von der griechischen und römischen Götterwelt über die nordische Mythologie bis hin zum Keltentum. Diese Religionen waren tief in ihren jeweiligen Kulturen verwurzelt und regelten das gesamte Leben. Sie waren in der Regel orthopraktisch (betonten die korrekte Durchführung von Ritualen) und nicht orthodox (betonten die korrekte Lehre).
    Obwohl Missionare und Gesetzgeber in den folgenden Jahrhunderten versuchten, die alten Bräuche zu beseitigen, verschwanden diese nie ganz. Einige wurden christianisiert und verschmolzen mit neuen Symboliken, wie etwa der Osterhase, das Osterei oder Feuer um die Sonnenwenden.
    In der Neuzeit, als verschiedene polytheistische Religionen wiedererstarkten, entstand die Notwendigkeit eines Sammelbegriffs. Da das Wort „Heidentum“ christlich besetzt war, setzte sich international der Begriff Paganismus als inklusiver Dachbegriff durch.

    Die Vielfalt unter dem Paganen Dach
    Der moderne Paganismus (Neopaganismus) ist keine einzelne Religion, sondern ein Dachbegriff für viele spirituelle Pfade. Hier erleben die alten Wege eine Wiederbelebung.
    Die Bandbreite ist immens, sie reicht von Wicca und Druidismus bis hin zu verschiedenen Formen des Ásatrú (nordisches Heidentum).
    Die Traditionen sind unterschiedlich in ihrer Ausrichtung und Organisation:
    • Gottheiten: Manche sind polytheistisch, andere duotheistisch, monolatrisch (eine Gottheit besonders betonend) oder pantheistisch. Götter und Göttinnen wie Odin, Freya, Cernunnos oder die Große Göttin werden verehrt.
    • Praxis: Sie können magisch aktiv oder nicht-aktiv sein.
    • Traditionsnähe: manche Strömungen sind rekonstruktiv (versuchen, historisch Korrektes wiederzubeleben) oder eklektisch (kombinieren verschiedene Traditionen).

    Moderne Heiden betonen oft die Nähe zur Natur und eine zyklische Sicht der Zeit, die sich an den Jahreskreisfesten (wie Yule oder Beltane) orientiert. Das übergeordnete Ziel ist eine tiefere Verbundenheit des Lebens, mit den Ahnen und den spirituellen Mächten der Welt. Es geht dabei um das Wiederbeleben einer spirituellen Haltung, nicht um starres Kopieren, da die Praktiken stets durch die moderne Perspektive und das individuelle Erleben gefiltert werden.

    Missverständnisse und Klarstellungen
    Zwei große Missverständnisse halten sich hartnäckig:
    1. Die Gleichsetzung mit Satanismus: Dies ist ein Fehler. Der Teufel ist eine Figur, die aus dem Christentum stammt. Die heidnischen Traditionen kannten ihn nicht.
    2. Die Annahme einer exakten Wiederbelebung: Moderner Paganismus ist selten eine exakte Kopie der historischen Religionen. Viele neopagane Traditionen sind, wie oben erwähnt, rekonstruktiv oder eklektisch, aber sie werden immer durch die moderne Perspektive interpretiert.

    Paganismus bietet unter seinem weiten Dach („pagan umbrella“) eine große Vielfalt und ist damit ein lebendiges, sich ständig entwickelndes Feld spiritueller Praxis.

  • Portaltage

    Begriff und heutige Bedeutung

    Portaltage werden in der deutschsprachigen Esoterik als Tage besonderer spiritueller Intensität verstanden. Man spricht davon, dass an ihnen „Energieportale“ geöffnet seien, der Zugang zu höheren Ebenen leichter falle und innere Prozesse sich verstärken. Entsprechend nutzen viele diese Daten für Meditation, Rituale, Innenschau oder energetische Heilarbeit, und Medien greifen das Thema gern mit Begriffen wie „magische Tage“ oder „kosmische Schübe“ auf.

    Es handelt sich nicht um einen Bestandteil traditioneller oder moderner paganer Religionen.

    Herkunft aus dem Dreamspell

    Trotz des häufig behaupteten Bezugs zum „Maya-Kalender“ handelt es sich nicht um ein überliefertes Konzept der historischen Maya. Der Begriff geht auf die sogenannten „Galactic Activation Portal Days“ (GAP Days) zurück, ein Set von 52 Tagen im esoterischen Dreamspell-Kalender des New-Age-Autors José Argüelles. Dreamspell ist eine moderne, stark synkretistische Neuinterpretation des 260-tägigen Tzolk’in, die Maya-Motive mit Numerologie, I Ging und anderen Systemen verbindet und sich deutlich von der traditionellen Maya-Zählung unterscheidet. In der deutschen Szene wurden die GAP Days zu „Portaltagen“ eingedeutscht und seit den 1990er- und 2000er-Jahren über esoterische Kalender, Blogs und Magazine verbreitet.

    Historische Einordnung

    Aus Sicht der Religions- und Kulturgeschichte sind Portaltage daher ein junges New-Age-Phänomen, keine nachweisbare Tradition der klassischen Maya. In der epigraphischen und ethnologischen Forschung zu den historischen Maya-Kalendersystemen finden sich keine Belege für ein eigenständiges Ritualschema „Portaltage“ im heutigen Sinn. Wissenschaftliche Arbeiten zu Dreamspell und zum 2012-Phänomen ordnen Argüelles’ Kalender klar als moderne spirituelle Bewegung ein, die sich zwar auf Maya-Symbole bezieht, aber keine direkte Fortsetzung der alten indigenen Praxis darstellt. Portaltage sind damit ein gutes Beispiel dafür, wie vermeintlich „uralte“ esoterische Konzepte oft tatsächlich Produkte sehr aktueller spiritueller Szenen sind.