Calan Gaeaf ist der traditionelle walisische Name für den Beginn des Winters am 1. November. Die vorausgehende Nacht heißt Nos Galan Gaeaf und entspricht zeitlich Halloween. Der Name bedeutet sinngemäß „erster Wintertag“.
Im bäuerlichen Jahreslauf markierte das Fest das Ende der Erntezeit und den Beginn der winterlichen Jahreshälfte. Die Nacht galt als Geisternacht, in der die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten als durchlässig angesehen wurden. Überliefert sind Feuerbräuche, gemeinschaftliche Mahlzeiten, Apfelspiele und Orakel über Liebe, Glück oder Tod.
Bekannte Gestalten der walisischen Überlieferung sind die Hwch Ddu Gwta, eine schwanzlose schwarze Sau, und die Ladi Wen, eine weiß gekleidete oder kopflose Frauengestalt, die nächtliche Heimkehrer erschrecken sollten.
Calan Gaeaf wird gelegentlich als „walisisches Samhain“ bezeichnet. Historisch ist diese Gleichsetzung jedoch ungenau: Samhain gehört zur gälischen Tradition, während Calan Gaeaf ein eigenständiger walisischer Festname ist. Ähnlichkeiten bestehen vor allem im Winterbeginn, in Feuerbräuchen und in Vorstellungen von umhergehenden Geistern.
Im modernen Heidentum kann Calan Gaeaf als walisisch geprägtes Fest des Winteranfangs, des Totengedenkens und der Ahnenverehrung begangen werden. Heutige Feiern sind jedoch moderne Gestaltungen auf Grundlage volkskundlicher und historischer Überlieferungen.