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  • Dreierregel

    Die Dreierregel, auch Dreifaches Gesetz oder englisch Threefold Law genannt, ist eine moderne ethische und magische Vorstellung, die vor allem mit Wicca verbunden wird. Nach ihrer verbreiteten Auslegung kehrt alles, was ein Mensch an Gutem oder Schädlichem aussendet, dreifach zu ihm zurück.

    Die Regel stammt nicht aus einer nachweisbaren vorchristlichen Religion. Ein früher Vorläufer findet sich in Gerald Gardners Roman High Magic’s Aid von 1949. Dort wird jedoch nicht eindeutig ein automatisch wirkendes kosmisches Gesetz beschrieben, sondern die Verpflichtung, empfangenes Gutes dreifach zu erwidern.

    Die heute geläufige Vorstellung einer dreifachen Rückwirkung entwickelte sich vor allem während der späteren Verbreitung des Wicca. Raymond Buckland formulierte Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre deutlicher, dass sowohl gute als auch schädliche Handlungen dreifach auf den Handelnden zurückwirkten. Bekannt wurde der Gedanke außerdem durch die 1975 von Gwen Thompson veröffentlichte sogenannte Lange Wiccan Rede.

    Die Dreierregel ist nicht mit der Wiccan Rede gleichzusetzen. Die Rede – „Wenn es niemandem schadet, tue, was du willst“ – ist ein ethischer Ratschlag. Die Dreierregel beschreibt dagegen eine angenommene Folge des Handelns. Beide Vorstellungen sind weder für alle Wiccans noch für alle Hexen oder modernen Heiden verbindlich.

    Auch die Bezeichnung als „wiccanisches Karma“ ist ungenau. Karma ist ein komplexes Konzept indischer Religionen, das unter anderem mit Absicht, Wiedergeburt und Befreiung verbunden ist. Die Dreierregel entstand dagegen im westlichen Wicca des 20. Jahrhunderts.

    Wörtlich verstanden wirft die Regel Fragen auf: Es lässt sich weder bestimmen, was eine exakt dreifache Rückwirkung sein soll, noch zeigt die Erfahrung, dass gute und schlechte Taten zuverlässig entsprechend vergolten werden. Eine solche Deutung kann außerdem dazu führen, leidende Menschen fälschlich für ihr Unglück verantwortlich zu machen.

    Viele verstehen die Dreizahl deshalb symbolisch. Handlungen beeinflussen nicht nur andere Menschen, sondern auch den eigenen Charakter und das soziale Umfeld. In diesem Sinn erinnert die Dreierregel daran, dass magisches wie alltägliches Handeln häufig weitreichendere Folgen hat, als zunächst erkennbar ist.

    Historisch ist die Dreierregel somit kein altes Hexengesetz, sondern eine moderne Entwicklung innerhalb des Wicca. Ihr sinnvoller Kern liegt weniger in der Vorstellung einer mathematisch genauen kosmischen Vergeltung als in der Aufforderung, die Folgen des eigenen Handelns zu bedenken und dafür Verantwortung zu übernehmen.