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  • Hellenismos

    Hellenismos, auch hellenischer Polytheismus oder hellenische Religion, bezeichnet die moderne Wiederbelebung der vorchristlichen Religionen Griechenlands. Die Bezeichnung unterscheidet die Religion vom historischen Hellenismus, der Epoche nach Alexander dem Großen. Der ebenfalls verwendete Ausdruck Dodekatheismus („Zwölfgötterglaube“) ist nur bedingt passend, da neben den olympischen Gottheiten auch lokale Gottheiten, Heroen, Ahnen und Naturmächte verehrt werden.

    Der moderne Hellenismos entstand vor allem seit den 1980er- und 1990er-Jahren in Griechenland. Er versteht sich nicht als unverändert fortgeführte antike Religion, sondern überwiegend als rekonstruktionistische Tradition: Rituale, Feste und religiöse Vorstellungen werden aus antiken Texten, Inschriften und archäologischen Quellen erschlossen und an gegenwärtige Lebensbedingungen angepasst. Eine institutionelle Kontinuität von der Antike bis zur Gegenwart ist historisch nicht nachweisbar.

    Im Mittelpunkt steht die Verehrung griechischer Gottheiten wie Zeus, Hera, Athena, Apollon, Artemis, Aphrodite, Dionysos, Demeter oder Hermes. Zur religiösen Praxis gehören Gebete, Hymnen, Weihrauch, Speise- und Trankopfer, Hausaltäre, rituelle Reinigungen sowie Feste nach rekonstruierten antiken Kalendern. Häufig betonte Werte sind Eusebeia – Frömmigkeit und respektvolles Verhalten gegenüber den Göttern –, Arete – Tugend und Vortrefflichkeit – sowie Gastfreundschaft, Gerechtigkeit und ein maßvolles Leben.

    Der Hellenismos besitzt keine zentrale Glaubensautorität und keine allgemein verbindliche Theologie. Manche Gläubige verstehen die Gottheiten als eigenständige personale Wesen, andere deuten sie philosophisch, neuplatonisch, symbolisch oder psychologisch. Ebenso unterscheiden sich die Gemeinschaften darin, wie streng sie historische Formen rekonstruieren und welche Bedeutung sie der griechischen Kultur oder ethnischen Identität beimessen.

    Zu den bekanntesten Organisationen gehören der 1997 gegründete Oberste Rat der ethnischen Hellenen (Ýpato Symvoúlio Ellínon Ethnikón, YSEE) und die 2008 gegründete Religionsgemeinschaft LABRYS. Daneben bestehen kleinere Gruppen und zahlreiche unabhängig Praktizierende innerhalb und außerhalb Griechenlands.

    In Griechenland ist der hellenische Polytheismus eine kleine, aber öffentlich sichtbare religiöse Minderheit. Seit 2017 wird die hellenische ethnische Religion dort als „bekannte Religion“ im verfassungsrechtlichen Sinne behandelt. Dennoch steht sie gesellschaftlich weiterhin im Schatten der griechisch-orthodoxen Kirche. Streitpunkte sind insbesondere die religiöse Nutzung antiker Heiligtümer und die Frage, ob griechische Identität notwendig mit dem orthodoxen Christentum verbunden sein muss.

    Der moderne Hellenismos ist somit eine vielfältige neuheidnische Religionsfamilie, die antike griechische Überlieferungen rekonstruiert, neu interpretiert und als lebendige religiöse Praxis der Gegenwart fortentwickelt.