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  • Parliament of the World’s Religions

    Das Parliament of the World’s Religions – deutsch meist Parlament der Weltreligionen oder besser Parlament der Religionen der Welt – ist ein internationales Forum für interreligiösen Dialog und gesellschaftliche Zusammenarbeit. Es handelt sich nicht um ein Parlament mit gesetzgeberischer oder religiöser Autorität. Die Teilnehmenden können daher nicht verbindlich für ihre jeweiligen Religionen sprechen. Ziel ist vielmehr, Angehörige verschiedener religiöser, spiritueller und weltanschaulicher Traditionen miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsames Handeln zu Themen wie Frieden, Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz zu fördern.

    Das erste World’s Parliament of Religions fand 1893 im Rahmen der Weltausstellung von Chicago statt. Es gilt als ein wichtiger Ausgangspunkt des organisierten interreligiösen Dialogs der Moderne. Insbesondere Vertreter des Hinduismus, Buddhismus und Jainismus konnten ihre Religionen erstmals vor einer größeren westlichen Öffentlichkeit selbst darstellen. Das Parlament blieb jedoch stark von liberal-protestantischen und kolonialen Vorstellungen geprägt. Indigene Religionen, Frauen und zahlreiche nichtchristliche Gemeinschaften waren kaum oder gar nicht angemessen vertreten.

    Zum hundertjährigen Jubiläum wurde 1993 erneut ein Parlament in Chicago veranstaltet. Seitdem folgten weitere internationale Treffen. Das Parlament von 1993 verabschiedete die unter maßgeblicher Mitwirkung des Theologen Hans Küng entstandene Erklärung zum Weltethos. Sie fordert keine Vereinheitlichung der Religionen, sondern formuliert einen gemeinsamen ethischen Mindestkonsens, etwa Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Gleichberechtigung und ökologische Verantwortung.

    Bedeutung für pagane Religionen

    Für moderne pagane Religionen war besonders das Parlament von 1993 bedeutsam. Wicca, Göttinnen-Spiritualität, Druidentum und andere neuheidnische Strömungen erhielten dort eine bis dahin ungewöhnliche öffentliche Sichtbarkeit als religiöse Gemeinschaften. Pagane Teilnehmende beteiligten sich an Ritualen, Diskussionsveranstaltungen und interreligiösen Gremien. Dadurch wurden pagane Religionen stärker als eigenständige Bestandteile der gegenwärtigen religiösen Vielfalt wahrgenommen und nicht ausschließlich als Esoterik oder kulturelle Randerscheinung behandelt.

    Pagane Gruppen bringen in den interreligiösen Dialog häufig Themen wie Naturverbundenheit, ökologische Ethik, religiöse Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit und nichtdogmatische Religionsformen ein. Da viele pagane Traditionen keine zentrale Autorität besitzen, können einzelne Delegierte jedoch ebenso wenig für „den Paganismus“ insgesamt sprechen wie Vertreter anderer dezentral organisierter Religionen.

    Verhältnis zu indigenen Religionen

    Moderne pagane und indigene Religionen müssen klar voneinander unterschieden werden. Indigene Religionen sind gewöhnlich in historisch gewachsenen Gemeinschaften, konkreten Territorien, Sprachen, Verwandtschaftsordnungen und kollektiven Überlieferungen verwurzelt. Viele moderne pagane Religionen sind dagegen neuzeitliche Rekonstruktionen, Neuschöpfungen oder Weiterentwicklungen älterer europäischer und mediterraner Traditionen.

    Gemeinsamkeiten können in der Betonung heiliger Landschaften, zyklischer Naturvorstellungen oder gemeinschaftlicher Rituale bestehen. Solche Ähnlichkeiten machen die Traditionen jedoch nicht austauschbar. Problematisch wird das Verhältnis besonders dann, wenn moderne Pagane indigene Zeremonien, Symbole oder religiöses Wissen ohne Zustimmung der betreffenden Gemeinschaften übernehmen. Dies kann als kulturelle oder religiöse Aneignung kritisiert werden.

    Das Parliament of the World’s Religions bietet einen Raum, in dem pagane und indigene Gemeinschaften einander begegnen können. Dabei sollte die Selbstvertretung indigener Gruppen im Mittelpunkt stehen. Ihre Religionen dürfen nicht als vermeintlich ursprüngliche Vorbilder eines universellen „Naturglaubens“ vereinnahmt werden. Ein respektvoller Dialog erkennt unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen, koloniale Machtverhältnisse, Landrechte und die besondere Schutzbedürftigkeit indigenen religiösen Wissens an.

    Die Bedeutung des Parlaments liegt somit nicht in der Schaffung einer einheitlichen Weltreligion, sondern in der öffentlichen Anerkennung religiöser Vielfalt. Für pagane Religionen eröffnete es wichtige Möglichkeiten interreligiöser Beteiligung. Zugleich macht das Verhältnis zu indigenen Religionen deutlich, dass religiöse Gleichberechtigung auch Abgrenzung, Selbstbestimmung und den kritischen Umgang mit kultureller Aneignung voraussetzt.