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  • Schamanismus

    Schamanismus ist ein religionswissenschaftlicher Sammelbegriff für bestimmte Formen religiöser Praxis, bei denen spezialisierte Personen mit Geistern, Ahnen oder anderen nichtmenschlichen Wesen kommunizieren. Er bezeichnet keine einheitliche Religion mit gemeinsamer Lehre, Organisation oder heiliger Schrift.

    Das Wort Schamane gelangte über das Russische in die europäischen Sprachen und geht auf das ewenkische beziehungsweise tungusische Wort šaman zurück. Ursprünglich bezeichnete es religiöse Spezialisten indigener Gesellschaften Sibiriens und Innerasiens. Seit dem 17. und 18. Jahrhundert wurde der Begriff durch Reisende, Missionare und russische Verwaltungsbeamte in Europa verbreitet. Seine genauere sprachliche Bedeutung ist umstritten; die populäre Übersetzung als „der Wissende“ gilt nicht als gesichert.

    Historische Schamaninnen und Schamanen konnten Aufgaben in Heilung, Wahrsagung, Totenbegleitung, Ahnenkommunikation, Jagdritualen oder der Bewältigung gemeinschaftlicher Krisen übernehmen. Dabei kamen je nach Tradition Gesang, Trommeln, Tanz, besondere Kleidung, Trance oder dramatische rituelle Darstellungen zum Einsatz. Nicht alle schamanischen Traditionen kennen jedoch Seelenreisen oder eine Einteilung der Geisterwelt in Ober-, Mittel- und Unterwelt.

    Die Stellung schamanischer Spezialisten beruhte gewöhnlich auf Berufung, Ausbildung und sozialer Anerkennung. Träume, Krankheiten oder Visionen konnten als Zeichen einer Berufung gelten, machten eine Person aber nicht automatisch zum Schamanen. Schamanische Rollen konnten von Männern, Frauen oder Personen mit besonderen geschlechtlichen und sozialen Positionen ausgeübt werden.

    Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Begriff auf religiöse Praktiken in Nord- und Südamerika, der Arktis, Zentralasien und weiteren Regionen übertragen. Diese Verallgemeinerung ist umstritten, weil dadurch sehr unterschiedliche Religionen unter einem europäischen Vergleichsbegriff zusammengefasst werden. Neuere Forschung spricht daher häufig von Schamanismen im Plural und bevorzugt, soweit möglich, die jeweiligen kulturellen Eigenbezeichnungen.

    Die Vorstellung, Schamanismus sei die nachweislich älteste Religion der Menschheit, ist wissenschaftlich nicht belegt. Schamanische Deutungen prähistorischer Höhlenbilder und Bestattungen bleiben hypothetisch. Religionswissenschaftlich ist Schamanismus daher kein zeitloses Universalsystem, sondern ein historisch entstandener Vergleichsbegriff für unterschiedliche Formen der Geistkommunikation und rituellen Spezialisierung.