Lexikon

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  • Sorben

    Die Sorben sind ein westslawisches Volk in der Ober- und Niederlausitz. Ihre frühmittelalterlichen Vorfahren, vor allem Lusizer und Milzener, gehörten vor der Christianisierung zur religiösen Welt der westlichen Slawen. Über ihre konkreten Glaubensvorstellungen ist jedoch nur wenig sicher bekannt. Ein geschlossenes „sorbisches Pantheon“ lässt sich aus den historischen Quellen nicht rekonstruieren.

    Wahrscheinlich bestanden lokale Kulte, Ahnen- und Totenvorstellungen sowie die Verehrung von Naturmächten und besonderen Landschaftsorten. Berichte über slawische Gottheiten wie Perun, Svantovit oder Mokoš stammen meist aus anderen Regionen und dürfen nicht ohne Weiteres auf die Lausitz übertragen werden. Auch angeblich sorbische Gottheiten wie Czorneboh, Bieleboh oder Flins sind historisch umstritten und wurden teilweise erst durch frühneuzeitliche Chronisten, romantische Gelehrte und Heimatforscher als vorchristliche Götter gedeutet.

    Die Christianisierung der Lausitzer Slawen begann im 10. Jahrhundert und vollzog sich über mehrere Jahrhunderte. Ältere Vorstellungen verschwanden dabei nicht vollständig, sondern gingen vielfach in den christlich geprägten Volksglauben ein. Die sorbische Überlieferung kennt zahlreiche Natur- und Sagenwesen, darunter die Mittagsfrau, den Wassermann, Lutki, Irrlichter und den Plon. Solche Gestalten können ältere religiöse Motive enthalten, sind jedoch durch jahrhundertelange christliche und folkloristische Überformung geprägt.

    Viele heutige sorbische Bräuche besitzen jahreszeitliche oder agrarische Elemente, sind aber nicht ohne Weiteres als heidnisch zu bezeichnen. Das Osterreiten etwa ist ausdrücklich eine christliche Prozession. Das Christentum wurde zudem zu einem wichtigen Träger sorbischer Sprache, Literatur und Identität.

    Im modernen Heidentum werden sorbische Sagen, Landschaften und Bräuche gelegentlich neu interpretiert. Eine größere, historisch kontinuierliche oder institutionalisierte sorbisch-neuheidnische Religion ist jedoch nicht belegt. Moderne Rekonstruktionen gehören in den weiteren Zusammenhang des slawischen Neuheidentums beziehungsweise Rodismus. Sie verbinden historische Quellen, Folklore und gegenwärtige religiöse Vorstellungen.

    Das historische Heidentum der sorbischen Vorfahren ist somit nur fragmentarisch fassbar. Für das moderne Paganismusverständnis bildet die sorbische Überlieferung einen wichtigen kulturellen Inspirationsraum, jedoch keine lückenlos erhaltene vorchristliche Religion.