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Wicker Man

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Als Wicker Man – wörtlich etwa „Geflechtmann“ – wird eine große, menschenförmige Figur aus Weidenruten oder anderem Holzgeflecht bezeichnet, die verbrannt wird. Der Ausdruck ist modern und muss in mehreren Bedeutungen klar unterschieden werden.

Antiker Quellenbericht: Julius Caesar berichtet im 6. Buch seines Gallischen Krieges, einige gallische Gemeinschaften hätten riesige, aus Ruten geflochtene Figuren mit Menschen gefüllt und angezündet. Als Opfer seien bevorzugt Verurteilte verwendet worden, notfalls jedoch auch Unschuldige. Eine ähnliche Darstellung findet sich später bei Strabon. Caesars Bericht bezieht sich auf Gallien, nicht speziell auf Britannien, und der englische Name Wicker Man kommt in den antiken Texten nicht vor.

Historische Bewertung: Menschliche Opfer und rituelle Tötungen sind für das eisenzeitliche Europa nicht grundsätzlich auszuschließen; archäologische Befunde werden jedoch unterschiedlich interpretiert. Für die konkrete Verbrennung von Menschen in einer riesigen Flechtfigur existiert bislang kein eindeutiger archäologischer Nachweis. Zudem schrieben Caesar und andere griechisch-römische Autoren über politisch und militärisch bekämpfte Bevölkerungen. Der Wicker Man darf deshalb nicht als sicher belegter „keltischer Brauch“ dargestellt werden, sondern zunächst als antiker Fremdbericht, der möglicherweise tatsächliche Praktiken, Übertreibungen und literarische Feindbilder miteinander verbindet.

Film und Populärkultur: Das heutige Bild des Wicker Man wurde vor allem durch den britischen Folk-Horror-Film The Wicker Man von 1973 geprägt. Darin gerät ein christlicher Polizist auf einer fiktiven schottischen Insel in einen neuheidnischen Opferkult. Der Film ist keine historische Rekonstruktion, sondern verbindet antike Berichte, moderne Vorstellungen von Paganismus und Horrorfilm-Motive.

Moderner Paganismus: Werden heute geflochtene oder hölzerne Figuren rituell verbrannt, geschieht dies symbolisch, etwa als Zeichen für Wandel, Vergänglichkeit oder Loslassen. Solche Praktiken sind moderne Gestaltungen und keine nachweislich ununterbrochene Fortführung eines antiken Rituals.

Nicht zu verwechseln mit Burning Man: Das gleichnamige US-amerikanische Kunst- und Gemeinschaftsfestival entstand 1986 aus der Verbrennung einer selbst gebauten Holzfigur am Baker Beach in San Francisco. Trotz äußerlicher Ähnlichkeiten ist es weder ein rekonstruierter Druidenkult noch ein Beleg für die antike Wicker-Man-Erzählung.

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