Begriff und heutige Bedeutung
Portaltage werden in der deutschsprachigen Esoterik als Tage besonderer spiritueller Intensität verstanden. Man spricht davon, dass an ihnen „Energieportale“ geöffnet seien, der Zugang zu höheren Ebenen leichter falle und innere Prozesse sich verstärken. Entsprechend nutzen viele diese Daten für Meditation, Rituale, Innenschau oder energetische Heilarbeit, und Medien greifen das Thema gern mit Begriffen wie „magische Tage“ oder „kosmische Schübe“ auf.
Es handelt sich nicht um einen Bestandteil traditioneller oder moderner paganer Religionen.
Herkunft aus dem Dreamspell
Trotz des häufig behaupteten Bezugs zum „Maya-Kalender“ handelt es sich nicht um ein überliefertes Konzept der historischen Maya. Der Begriff geht auf die sogenannten „Galactic Activation Portal Days“ (GAP Days) zurück, ein Set von 52 Tagen im esoterischen Dreamspell-Kalender des New-Age-Autors José Argüelles. Dreamspell ist eine moderne, stark synkretistische Neuinterpretation des 260-tägigen Tzolk’in, die Maya-Motive mit Numerologie, I Ging und anderen Systemen verbindet und sich deutlich von der traditionellen Maya-Zählung unterscheidet. In der deutschen Szene wurden die GAP Days zu „Portaltagen“ eingedeutscht und seit den 1990er- und 2000er-Jahren über esoterische Kalender, Blogs und Magazine verbreitet.
Historische Einordnung
Aus Sicht der Religions- und Kulturgeschichte sind Portaltage daher ein junges New-Age-Phänomen, keine nachweisbare Tradition der klassischen Maya. In der epigraphischen und ethnologischen Forschung zu den historischen Maya-Kalendersystemen finden sich keine Belege für ein eigenständiges Ritualschema „Portaltage“ im heutigen Sinn. Wissenschaftliche Arbeiten zu Dreamspell und zum 2012-Phänomen ordnen Argüelles’ Kalender klar als moderne spirituelle Bewegung ein, die sich zwar auf Maya-Symbole bezieht, aber keine direkte Fortsetzung der alten indigenen Praxis darstellt. Portaltage sind damit ein gutes Beispiel dafür, wie vermeintlich „uralte“ esoterische Konzepte oft tatsächlich Produkte sehr aktueller spiritueller Szenen sind.