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Dianic Wicca

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Dianic Wicca, auch dianische Hexenkunst genannt, bezeichnet mehrere feministisch und göttinnenzentriert ausgerichtete Strömungen des modernen Paganismus. Die bekannteste Form entstand Anfang der 1970er Jahre in den USA im Umfeld der zweiten Frauenbewegung und der modernen Göttinnenspiritualität.

Als wichtigste Begründerin gilt die ungarisch-amerikanische Autorin und Aktivistin Zsuzsanna Budapest. Sie gründete 1971 in Los Angeles den Susan B. Anthony Coven No. 1 und verband moderne Hexenreligion mit feministischer Gesellschaftskritik. Ihre Lehren wurden insbesondere durch The Holy Book of Women’s Mysteries verbreitet.

Im Zentrum dieser Richtung steht eine allumfassende Göttin, die als eigenständige schöpferische Macht verstanden wird. Anders als in vielen traditionellen Wicca-Strömungen gilt ein männlicher Gott nicht als notwendiges Gegenüber. Göttinnen verschiedener Kulturen können als eigenständige Wesen oder als Erscheinungsformen einer Großen Göttin verehrt werden. Der Name „dianisch“ verweist auf die römische Göttin Diana als Sinnbild weiblicher Unabhängigkeit und Naturverbundenheit.

Die religiöse Praxis umfasst Jahreskreisfeste, Vollmondrituale, Magie, Meditation, Gesang, Tanz und Heilungsarbeit. Häufig werden sogenannte Frauenmysterien thematisiert, darunter Menstruation, Sexualität, Geburt, Mutterschaft, Menopause und Altern. Rituale sollen persönliche Selbstermächtigung fördern und können zugleich politische Themen wie patriarchale Herrschaft, sexualisierte Gewalt, reproduktive Rechte oder lesbische Identität behandeln.

Dianic Wicca ist nicht einheitlich organisiert. Viele Gruppen bestehen aus autonomen Coven oder Frauenkreisen. Neben der frauenexklusiven Budapest-Tradition existiert die von Morgan McFarland und Mark Roberts begründete McFarland Dianic Tradition. Diese erkennt neben der Göttin auch einen männlichen Gott an und kann Menschen aller Geschlechter aufnehmen.

Einige frühe Vertreterinnen verstanden Dianic Wicca als Wiederbelebung einer vorgeschichtlichen, matriarchalen Göttinnenreligion. Eine ununterbrochene historische Überlieferung oder ein universales prähistorisches Matriarchat sind wissenschaftlich jedoch nicht nachweisbar. Religionswissenschaftlich gilt Dianic Wicca daher als moderne religiöse Neuschöpfung, die ältere Mythen und Göttinnenbilder zeitgenössisch deutet.

Kontrovers diskutiert wird besonders der Ausschluss transgeschlechtlicher Frauen aus bestimmten frauenexklusiven dianischen Gruppen. Andere dianische und göttinnenzentrierte Traditionen vertreten dagegen ausdrücklich inklusive Geschlechtermodelle. Der Begriff Dianic Wicca bezeichnet somit ein Spektrum unterschiedlicher Traditionen, die sich in ihrer Theologie, Organisation und Definition von Geschlecht deutlich unterscheiden.

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