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Atheopaganismus

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Atheopaganismus ist eine moderne, nichttheistische und naturalistische Form des Paganismus. Er verbindet Naturverehrung, Rituale und jahreszeitliche Feste mit einer wissenschaftlich orientierten Weltanschauung, die keine übernatürlichen Wesen oder Kräfte voraussetzt. Die Strömung wurde seit den 2000er-Jahren vor allem durch den US-amerikanischen Autor und Ritualgestalter Mark A. Green formuliert.

Grundlage des Atheopaganismus ist der Naturalismus. Danach gehört alles Existierende zur natürlichen Welt und kann grundsätzlich durch Beobachtung, Erfahrung und wissenschaftliche Methoden untersucht werden. Für die tatsächliche Existenz von Gottheiten, Geistern, unsterblichen Seelen oder übernatürlicher Magie sieht der Atheopaganismus keine hinreichenden Belege. Überzeugungen sollen deshalb kritisch geprüft und angesichts neuer Erkenntnisse verändert werden können.

Dennoch versteht sich der Atheopaganismus nicht nur als atheistische Weltanschauung, sondern als religiöse oder spirituelle Praxis. Rituale, Symbole und gemeinschaftliche Feste gelten als wertvoll, weil sie Gefühle ausdrücken, Lebensübergänge begleiten, Aufmerksamkeit bündeln und Verbundenheit mit anderen Menschen sowie der natürlichen Welt fördern können. Ihre Wirkung wird psychologisch, sozial und kulturell erklärt, nicht übernatürlich.

Gottheiten und mythologische Gestalten können verwendet werden, gelten jedoch gewöhnlich nicht als eigenständig existierende Wesen. Sie werden als Metaphern, Personifikationen oder imaginative „Masken“ menschlicher Erfahrungen verstanden. Eine Liebesgöttin kann etwa für Begehren und Beziehung stehen, eine Todesgottheit für Vergänglichkeit, Trauer und Erinnerung. Manche Atheopagane verzichten vollständig auf Götterbilder und richten ihre Rituale unmittelbar auf Natur, Jahreszeiten oder persönliche Lebensereignisse aus.

Auch Magie wird naturalistisch gedeutet. Ein Ritual oder Zauber soll keine Naturgesetze außer Kraft setzen, kann aber Entschlossenheit stärken, Gefühle verarbeiten oder Verhaltensänderungen unterstützen. Entscheidend ist die Wirkung symbolischer Handlungen auf die beteiligten Menschen.

Im Zentrum der Praxis steht häufig ein aus acht Festen bestehender Jahreskreis, der sich an Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und den dazwischenliegenden Zeitpunkten orientiert. Die Feste werden an örtliche Jahreszeiten und ökologische Bedingungen angepasst. Daneben können Geburt, Erwachsenwerden, Partnerschaft, Trennung und Tod rituell begleitet werden.

Als besonders schützenswert gelten Leben, Liebe, Wahrheit und Schönheit. Die Erde wird als heilig betrachtet, ohne als bewusste Göttin verstanden zu werden. Heiligkeit bezeichnet hier intensive Wertschätzung, Staunen und die Verpflichtung zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.

Die atheopaganische Ethik betont unter anderem kritisches Denken, Dankbarkeit, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Die Bewegung versteht sich überwiegend als inklusiv, feministisch, antirassistisch, LGBTQ-freundlich und antifaschistisch. Eine zentrale Glaubensinstanz oder verbindliche Priesterschaft besteht jedoch nicht.

Umstritten ist, ob eine atheistische Strömung als Religion oder Paganismus gelten kann. Kritiker wenden ein, dass Paganismus wesentlich mit der Verehrung realer Gottheiten verbunden sei. Atheopagane definieren Paganismus dagegen stärker durch Naturbezogenheit, Ritualpraxis, Jahresfeste und pagane Symbolwelten. Polytheisten kritisieren zudem, dass die rein symbolische Verwendung von Göttern deren historische Kultzusammenhänge und religiöse Eigenständigkeit vernachlässigen könne.

Der Atheopaganismus versteht sich nicht als Rekonstruktion einer vorchristlichen Religion, sondern als bewusst moderne Neuschöpfung. Seine Besonderheit liegt in der Verbindung einer wissenschaftlich-naturalistischen Weltsicht mit pagan geprägter Ritualkultur und ökologisch-humanistischer Ethik.

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