Magnetismus bezeichnet im naturwissenschaftlichen Sinn eine messbare physikalische Erscheinung, die durch bewegte elektrische Ladungen und magnetische Felder entsteht. Magnete besitzen zwei Pole und können auf bestimmte Stoffe sowie auf andere Magnetfelder anziehend oder abstoßend wirken. Davon zu unterscheiden sind historische und esoterische Vorstellungen eines angeblich auf Lebewesen übertragbaren Magnetismus.
Im 18. Jahrhundert waren Elektrizität und Magnetismus Gegenstand zahlreicher Experimente und öffentlicher Vorführungen. Weil ihre Wirkungen unsichtbar und teilweise noch ungeklärt erschienen, wurden sie häufig als Modelle für verborgene Naturkräfte verwendet. Der Arzt Franz Anton Mesmer entwickelte daraus die Lehre vom animalischen Magnetismus. Das Wort „animalisch“ bedeutete dabei nicht „tierisch“, sondern „belebt“ oder „zum lebenden Organismus gehörend“.
Mesmer nahm an, dass ein feines Fluidum das gesamte Universum und alle Lebewesen durchströme. Krankheit sollte aus Störungen dieses Flusses entstehen. Ein Magnetiseur könne das Fluidum durch Berührung, Handbewegungen, Blickkontakt oder Willenskraft ordnen und dadurch Heilungsprozesse auslösen. Tatsächliche Magnete verwendete Mesmer nur in seiner frühen Praxis; später erklärte er, die wirksame Kraft gehe vom Menschen selbst aus.
Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Magnetismus zunehmend erweitert. Manche Vertreter verstanden ihn als natürliche Lebenskraft, andere als geistige oder seelische Energie. Magnetischer Schlaf, Hellsehen, Gedankenübertragung und Fernheilung wurden teilweise als Wirkungen dieser Kraft interpretiert. Solche Vorstellungen beeinflussten romantische Naturphilosophie, Spiritismus, Okkultismus und verschiedene Formen esoterischer Heilkunde.
Ein menschliches Heilfluidum im Sinne Mesmers konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Davon unabhängig nutzt die moderne Medizin reale magnetische Felder, etwa bei der Magnetresonanztomografie oder der transkraniellen Magnetstimulation. Diese Verfahren beruhen auf überprüfbaren physikalischen Mechanismen und stehen nicht in Verbindung mit dem animalischen Magnetismus. In religionsgeschichtlichen und esoterischen Zusammenhängen bezeichnet „Magnetismus“ dagegen häufig eine angenommene persönliche Ausstrahlung oder übertragbare Lebenskraft.
