Mesmerismus bezeichnet eine im späten 18. Jahrhundert entstandene Heil- und Naturlehre, die auf den Arzt Franz Anton Mesmer (1734–1815) zurückgeht. Mesmer selbst sprach vom animalischen Magnetismus. Er nahm an, dass das Universum von einem unsichtbaren Fluidum durchdrungen werde, das Himmelskörper, Erde und Lebewesen miteinander verbinde. Gesundheit beruhte seiner Auffassung nach auf einem harmonischen Fluss dieser Kraft im Körper; Krankheiten sollten durch Blockaden oder Ungleichgewichte entstehen.
Ein sogenannter Magnetiseur sollte das Fluidum durch Berührung, Blickkontakt, Konzentration und langsame Handbewegungen beeinflussen können. Diese als magnetische Striche oder Passes bezeichneten Bewegungen wurden über dem Körper des Patienten ausgeführt. Bei Gruppenbehandlungen verwendete Mesmer häufig ein Baquet, einen mit Wasser, Flaschen und Metallteilen gefüllten Bottich, dessen angeblich magnetisierte Stäbe von den Anwesenden berührt wurden. Während solcher Sitzungen traten mitunter Krämpfe, Ohnmachten und starke emotionale Reaktionen auf. Mesmer deutete diese „Krisen“ als Zeichen eines einsetzenden Heilungsprozesses.
Eine 1784 von Ludwig XVI. eingesetzte Kommission, der unter anderem Benjamin Franklin und Antoine Lavoisier angehörten, fand keinen Nachweis für das behauptete Fluidum. Die beobachteten Wirkungen wurden vor allem auf Erwartung, Einbildungskraft, Berührung und Nachahmung zurückgeführt.
Dennoch hatte der Mesmerismus erheblichen Einfluss auf die weitere Erforschung veränderter Bewusstseinszustände. Mesmers Schüler Marquis de Puységur beschrieb einen ruhigen, schlafähnlichen Zustand, den er als künstlichen Somnambulismus bezeichnete. Daraus entwickelten sich im 19. Jahrhundert Untersuchungen zu Suggestion und Hypnose. Andere Richtungen verbanden den Mesmerismus mit Hellsehen, Geistheilung, Spiritismus und esoterischen Vorstellungen einer universalen Lebenskraft.
Das mesmeristische Fluidum gilt heute als wissenschaftlich widerlegt. Historisch steht der Mesmerismus jedoch an einer wichtigen Übergangsstelle zwischen vormoderner Heilkunde, Naturphilosophie, Okkultismus, Hypnoseforschung und früher Psychotherapie.
