Lexikon

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  • Merlin

    Merlin ist eine zentrale Gestalt der mittelalterlichen Artussage. Das heute verbreitete Bild des alten Zauberers entstand jedoch erst durch die Verbindung verschiedener walisischer, lateinischer und französischer Überlieferungen.

    Eine wichtige Vorstufe ist der walisische Myrddin, ein Dichter und Prophet, der nach einer Schlacht den Verstand verliert und als wilder Seher in der Natur lebt. Im 12. Jahrhundert verband Geoffrey von Monmouth diese Figur mit der Erzählung vom prophetischen Knaben Ambrosius. In seiner Historia regum Britanniae erscheint Merlin als Berater britischer Könige, Gestaltwandler und Prophet. Er hilft bei der Errichtung von Stonehenge und bereitet durch seine Magie die Zeugung König Arthurs vor.

    Spätere französische Ritterromane machten Merlin zum Lehrer und Beschützer Arthurs sowie zum Mitbegründer der Tafelrunde. Zugleich wird er als zwiespältige Gestalt zwischen dämonischer Herkunft und göttlicher Bestimmung dargestellt. Sein Ende findet er meist durch seine Schülerin, die Herrin vom See, die ihn mit seinen eigenen Zauberkünsten einschließt.

    Im modernen Paganismus und in Teilen des Druidentums gilt Merlin häufig als Symbol für Weisheit, Inspiration, Naturverbundenheit und prophetische Erkenntnis. Historisch lässt er sich jedoch weder als vorchristliche Gottheit noch eindeutig als antiker Druide nachweisen. Er ist vielmehr eine mittelalterliche literarische Figur, die ältere britische Motive aufnimmt und bis heute immer wieder neu gedeutet wird.

  • Merseburger Zaubersprüche

    Die Merseburger Zaubersprüche sind zwei kurze Zauberformeln in althochdeutscher Sprache und gelten als die einzigen erhaltenen Texte, die eindeutig vorchristliche germanische Religiosität im Althochdeutschen bezeugen. Sie wurden 1841 in der Bibliothek des Domkapitels von Merseburg entdeckt und stammen aus einer Handschrift des 9./10. Jahrhunderts.

    Beide Sprüche folgen einer typischen magischen Struktur: Einer erzählenden Einleitung mit mythologischem Inhalt folgt eine beschwörende Formel, die das geschilderte Geschehen auf die Gegenwart überträgt („So wie damals – so auch jetzt“). Formal stehen sie an der Schwelle zwischen heidnischer Stabreimdichtung und frühmittelalterlicher christlicher Reimform.

    Der erste Zauberspruch dient der Befreiung von Gefangenen. Er schildert sogenannte Idisen – weibliche, walkürenähnliche Wesen –, die Krieger von ihren Fesseln lösen. Der zweite Zauberspruch ist ein Heilsegen: Der Gott Wotan heilt ein verletztes Pferd mit der Formel „Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied“.

    Besonders bemerkenswert sind Parallelen zu anderen indogermanischen Heilzaubern, etwa im altindischen Atharvaveda. Ob diese Ähnlichkeiten auf gemeinsame Ursprünge oder auf parallele Entwicklungen zurückgehen, ist wissenschaftlich noch offen.

    Die Merseburger Zaubersprüche gelten heute als Schlüsseltexte für das Verständnis frühgermanischer Mythologie, Magie und religiöser Praxis.

    Siehe auch: Grundlagenartikel