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Green Man

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Der Green Man („Grüner Mann“) ist ein Kunstmotiv, bei dem ein menschliches Gesicht mit Blättern, Zweigen oder Ranken verbunden ist. Solche Darstellungen werden kunsthistorisch als Blattmasken oder Blattköpfe bezeichnet. Sie finden sich bereits in der Antike und besonders häufig an romanischen und gotischen Kirchen, etwa an Kapitellen, Konsolen und Gewölbeschlusssteinen.

Die Bedeutung mittelalterlicher Blattmasken ist nicht einheitlich geklärt. Sie konnten rein dekorativ sein, aber auch Wachstum, Vergänglichkeit, Auferstehung, die ungezähmte Natur oder das Verhältnis des Menschen zur Schöpfung symbolisieren. Es gibt keine Belege dafür, dass sie Darstellungen eines einheitlichen vorchristlichen Vegetationsgottes waren.

Die Bezeichnung Green Man wurde 1939 durch Lady Julia Raglan verbreitet. Sie deutete die mittelalterlichen Blattgesichter als Überreste eines alten Fruchtbarkeitskultes und verband sie mit Maibräuchen, Robin Hood und Jack-in-the-Green. Diese These gilt heute als spekulativ. Auch Gleichsetzungen mit Cernunnos, Pan, dem Wilden Mann oder dem Grünen Ritter sind historisch nicht belegt.

Im modernen Paganismus entwickelte sich der Green Man dennoch zu einer eigenständigen spirituellen Gestalt. Er kann als Verkörperung des Waldes, der Vegetation, der männlichen Naturkraft oder des jahreszeitlichen Kreislaufs verstanden werden. Teilweise wird er mit dem Gehörnten Gott, Cernunnos oder dem Eichenkönig verbunden. Diese Deutungen sind moderne religiöse Entwicklungen und keine Rekonstruktion eines historisch nachgewiesenen Kultes.

Heute dient der Green Man außerdem als ökologisches Symbol für die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur sowie für den Kreislauf von Wachstum, Verfall und Erneuerung.

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