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Kornpuppen

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Kornpuppen sind Figuren oder kunstvolle Geflechte aus Getreidehalmen, Ähren oder Stroh. Sie stehen in Zusammenhang mit europäischen Erntebräuchen, besonders mit der letzten Garbe eines abgeernteten Feldes. Bekannt sind vor allem die britischen corn dollies, doch vergleichbare Erntefiguren gab es auch in Mittel- und Nordeuropa.

Die letzte Garbe wurde vielerorts besonders gebunden, geschmückt und feierlich zum Hof getragen. Je nach Region hieß sie etwa Kornmutter, Kornfrau, Erntebraut, Alte oder Harvest Maiden. Sie konnte im Haus, Stall oder in der Scheune aufgehängt und bis zur nächsten Aussaat aufbewahrt werden. Manchmal wurden ihre Körner unter das neue Saatgut gemischt, an Tiere verfüttert oder auf dem Feld vergraben. Die Figur galt dabei als Zeichen einer vollendeten Ernte sowie als Glücks- oder Schutzsymbol.

Volkskundler des 19. Jahrhunderts wie Wilhelm Mannhardt und James George Frazer deuteten solche Bräuche als Verehrung eines „Korngeistes“, dessen Lebenskraft sich in die letzten Halme zurückziehe. Diese Erklärung hat das heutige Bild der Kornpuppe stark geprägt, gilt jedoch nicht als allgemein nachgewiesen. Die regionalen Bräuche waren sehr unterschiedlich und konnten religiöse, magische, festliche, dekorative oder spielerische Funktionen besitzen. Eine direkte und ununterbrochene Herkunft aus vorchristlicher Zeit lässt sich nicht belegen.

In christlich geprägten Regionen wurden Ährengebinde und Kornfiguren auch in Erntedankfeste einbezogen. Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft verloren viele Bräuche um die letzte Garbe ihre ursprüngliche Bedeutung. Seit dem 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus zunehmend eine eigenständige Strohflechtkunst mit Menschenfiguren, Tieren, Kronen, Kreuzen und geometrischen Formen.

Bedeutung im modernen Paganismus

Im modernen Paganismus werden Kornpuppen vor allem bei Lughnasadh beziehungsweise Lammas und gelegentlich zur herbstlichen Tagundnachtgleiche verwendet. Sie können die Fruchtbarkeit der Erde, die eingebrachte Ernte, eine Getreidegöttin oder den Kreislauf von Wachstum, Tod und Wiederkehr symbolisieren. Häufig stehen Dankbarkeit für Nahrung, Natur und menschliche Arbeit im Mittelpunkt.

Diese Verwendung ist überwiegend eine moderne religiöse Neuinterpretation älterer Volksbräuche. Kornpuppen sind daher keine unverändert überlieferten vorchristlichen Kultobjekte, können innerhalb heutiger paganer Traditionen jedoch eine eigenständige und ernsthafte spirituelle Bedeutung besitzen.

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