Der Mai ist der fünfte Monat des heutigen Kalenders. Sein Name geht auf den lateinischen mensis Maius zurück. Im älteren römischen Kalender war er ursprünglich der dritte Monat. Als Namensgeberin gilt meist Maia, eine römische Göttin, die mit Wachstum, Fruchtbarkeit und der lebensspendenden Erde verbunden wurde. Ihr Name wird häufig mit Vorstellungen von Größe, Mehrung und zunehmender Fülle in Verbindung gebracht.
Diese Bedeutung entspricht dem jahreszeitlichen Charakter des Monats: Im Mai entfaltet sich die Vegetation sichtbar, die Weidesaison beginnt und Wärme, Blüten und Grün nehmen zu. Der deutsche Ausdruck „Wonnemonat Mai“ wird heute mit Freude und Frühlingsgefühlen verbunden. Der ältere Name Wonnemond oder Wunnimanot bezeichnete jedoch wahrscheinlich ursprünglich den Weidemonat, in dem das Vieh wieder auf die Weiden geführt wurde.
Zahlreiche europäische Maibräuche – darunter Maibäume, Maifeuer, Blumen, Grünzweige, Umzüge und Liebesrituale – begleiten den Übergang vom Frühling zum Frühsommer. Sie sind meist keine unveränderten Überreste einer einheitlichen vorchristlichen Religion, sondern Mischformen aus vorchristlichen, christlichen, mittelalterlichen und lokalen Traditionen. Dazu gehört auch die Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai, die christliche Namensgebung mit Feuer-, Schutz- und Hexenbrauchtum verbindet.
Im modernen Paganismus ist der Mai besonders mit Beltane verbunden. Das gälische Fest markierte den Beginn des Sommers und der Weidesaison; Feuer dienten dem Schutz und der Segnung von Menschen und Tieren. Heute feiern Wicca-Traditionen, keltisch inspirierte Gruppen und andere naturspirituelle Strömungen Beltane als Fest der Lebenskraft, Sinnlichkeit, Liebe, Fruchtbarkeit und schöpferischen Entfaltung.
Der Mai gilt damit als Schwellenmonat zwischen Erwachen und voller Blüte. Rituale dieser Zeit widmen sich häufig der Naturverehrung, Liebes- und Lebenssegen, Handfastings, Feuerbräuchen, Garten- und Haussegnungen sowie kreativen Neubeginnen. Symbolisch steht der Monat für die Mehrung des Lebens: Was im Frühjahr gekeimt ist, tritt nun sichtbar und kraftvoll hervor.
