Perchtenumzüge sind winterliche Maskenbräuche, die vor allem im österreichisch-bayerischen Alpenraum verbreitet sind. Sie finden meist während der Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag statt. Die Teilnehmenden tragen geschnitzte Holzmasken, Fellgewänder, Hörner, Glocken und teilweise hohe, kunstvoll verzierte Kopfaufsätze.
Die Bezeichnung „Percht“ wird häufig mit der Sagengestalt Frau Percht verbunden. Sprachgeschichtlich steht sie vermutlich auch im Zusammenhang mit älteren Bezeichnungen für den Dreikönigstag. Perchtenbräuche umfassen je nach Region Umzüge, Tänze, Hausbesuche und szenische Darstellungen.
Oft wird zwischen Schönperchten und Schiachperchten unterschieden. Schönperchten tragen festliche Gewänder und reich geschmückte Kappen; ihr Auftreten gilt als glück- und segensbringend. Schiachperchten erscheinen dagegen mit furchterregenden Masken, Fell und schweren Glocken. Ihr Lärm wird heute häufig als symbolische Vertreibung des Winters oder schädlicher Mächte gedeutet. Daneben existieren zahlreiche regionale Sonderfiguren, etwa Hexen, Schnabelperchten, Tiergestalten und komische Rollen.
Die verbreitete Vorstellung, Perchtenumzüge seien unveränderte Überreste vorchristlicher germanischer oder keltischer Kulte, ist historisch nicht belegbar. Die Forschung versteht das Perchtenwesen vielmehr als ein wandelbares Brauchgefüge, in dem sich mittelalterliche und frühneuzeitliche Maskenspiele, christliche Festzeiten, Karneval, Volksschauspiel und moderne Brauchdeutungen miteinander verbinden.
Perchten sind nicht mit dem Krampus gleichzusetzen. Der Krampus gehört ursprünglich zum Nikolausbrauchtum am 5. und 6. Dezember, während Perchten stärker mit dem Jahreswechsel und dem Dreikönigstag verbunden sind. In heutigen Umzügen vermischen sich beide Traditionen jedoch häufig.
Bekannte regionale Formen sind unter anderem die Gasteiner Perchten, deren Umzug alle vier Jahre stattfindet und seit 2011 zum österreichischen immateriellen Kulturerbe zählt. Gegenwärtige Perchtenläufe bewegen sich zwischen Brauchspflege, regionaler Identität, Handwerk, Tourismus und öffentlicher Inszenierung.
