Lexikon

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  • Orthodoxie und Orthopraxie

    Orthodoxie bedeutet „richtiger Glaube“ oder „richtige Lehre“. In orthodox ausgerichteten Religionen wird die Zugehörigkeit wesentlich dadurch bestimmt, dass Mitglieder bestimmte Glaubenssätze anerkennen. Dazu können verbindliche Aussagen über Gottheiten, die Entstehung der Welt, heilige Schriften oder das Leben nach dem Tod gehören.

    Orthopraxie bedeutet dagegen „richtiges Handeln“ oder „richtige Praxis“. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Rituale, Feste, ethische Regeln und religiöse Handlungen. Entscheidend ist weniger, wie eine Person die metaphysische Wirklichkeit deutet, sondern wie sie ihre Religion ausübt.

    Viele pagane Traditionen sind stärker orthopraktisch als orthodox geprägt. Paganismus besitzt keine zentrale Institution und kein traditionsübergreifend verbindliches Glaubensbekenntnis. Menschen können daher gemeinsam Rituale feiern, Opfergaben darbringen, Jahreskreisfeste begehen oder Gottheiten anrufen, obwohl sie deren Wesen unterschiedlich verstehen.

    Die Beteiligten einigen sich in solchen Gemeinschaften vor allem auf die Form und Bedeutung der Praxis. Eine vollständige Übereinstimmung über Glaubensinhalte ist nicht immer erforderlich. Persönliche Überzeugungen müssen daher häufig weder öffentlich offengelegt noch gegenüber anderen gerechtfertigt werden.

    Orthopraxie bedeutet jedoch nicht Beliebigkeit. Einzelne pagane Gruppen können bestimmte rituelle Regeln, ethische Grundsätze oder theologische Voraussetzungen festlegen. Die Anforderungen unterscheiden sich jedoch von Tradition zu Tradition und können nicht auf den gesamten Paganismus übertragen werden.