Der Begriff „Sabbat“ ist im modernen Wicca eines der zentralen Worte: Er bezeichnet die acht Jahresfeste, die den Lauf der Sonne und die Zyklen der Natur feiern. Seine Geschichte jedoch führt weit zurück – und beginnt in einem ganz anderen Zusammenhang.
Das Wort stammt ursprünglich aus dem Hebräischen (Shabbat), wo es den siebten Tag, die heilige Ruhezeit im Judentum, bezeichnet. Durch das Mittelalter hindurch wurde dieser Begriff von der christlichen Theologie und der Inquisitionsliteratur übernommen und verzerrt. Aus dem Sabbat der Bibel wurde der „Hexensabbat“ – ein angebliches nächtliches Treffen der Hexen mit dem Teufel.
In Werken wie dem Malleus Maleficarum (1487) und in unzähligen Hexenprozessakten diente diese Vorstellung als Beweis für angebliche Teufelspakte und Ketzerei. Es handelte sich dabei um reine Projektionen kirchlicher Fantasie: reale Belege für solche Versammlungen existieren nicht.
Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff von Okkultisten und Romantikern wie Éliphas Lévi und später dem Historiker Jules Michelet (La Sorcière, 1862) neu gedeutet. Sie sahen im sogenannten „Hexensabbat“ kein teuflisches Ritual, sondern ein Überbleibsel alter heidnischer Fruchtbarkeitskulte.
Diese Vorstellung wurde von Margaret Murray in ihren anthropologisch-romantischen Studien weiterentwickelt. In The Witch-Cult in Western Europe (1921) beschrieb sie die Hexenverfolgung als Unterdrückung eines vorchristlichen, naturreligiösen Kultes, der angeblich noch in geheimen Zirkeln fortbestand.
Als Gerald Gardner, der Begründer des modernen Wicca, in den 1940er und 1950er Jahren diese Ideen aufgriff, übernahm er auch den Begriff „Sabbat“ – jedoch in bewusst umgekehrter Bedeutung: Die Sabbate wurden bei ihm zu positiven, lebensbejahenden Feiern der Naturzyklen. Sie markieren den Kreislauf des Jahres: Samhain, Yule, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh und Mabon.
So wurde ein Begriff, der einst als Symbol der Verfolgung und Dämonisierung diente, zu einem Zeichen spiritueller Rückbindung an die Natur.
Andere pagane Richtungen wie Asatru und Druidentum nutzen den begriff nicht für ihre feste.
