Stonehenge ist ein prähistorisches Monument auf der Salisbury Plain in der südenglischen Grafschaft Wiltshire. Es gehört zusammen mit Avebury und weiteren Fundorten seit 1986 zum UNESCO-Welterbe. Die Anlage ist Teil einer ausgedehnten Kultlandschaft mit Grabhügeln, Erdwerken, Prozessionswegen sowie Monumenten wie Durrington Walls und Woodhenge.
Die Entstehung Stonehenges erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte. Um 3000 v. Chr. wurden zunächst ein kreisförmiger Graben, ein Wall und die sogenannten Aubrey Holes angelegt. Funde verbrannter menschlicher Überreste zeigen, dass der Ort bereits früh als Bestattungsplatz diente. Um 2500 v. Chr. entstand die charakteristische Steinanlage aus einem äußeren Kreis großer Sarsensteine und einem inneren Hufeisen aus fünf Trilithen. Kleinere, als Bluestones bezeichnete Steine wurden mehrfach umgestellt.
Die meisten Sarsensteine stammen wahrscheinlich aus dem rund 25 Kilometer entfernten Gebiet West Woods. Viele Bluestones wurden dagegen aus den Preseli-Bergen in Wales über mehr als 200 Kilometer herbeigeschafft. Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass der sogenannte Altarstein aus dem Nordosten Schottlands stammen könnte. Transport, Bearbeitung und Aufrichtung der teils mehr als 20 Tonnen schweren Steine belegen eine hohe technische und organisatorische Leistung.
Die Hauptachse Stonehenges ist auf die Sonnenwenden ausgerichtet: Zur Sommersonnenwende geht die Sonne in Richtung des Heel Stone auf, zur Wintersonnenwende auf der gegenüberliegenden Seite unter. Die genaue religiöse Bedeutung ist unbekannt, da keine schriftlichen Überlieferungen der Erbauer existieren. Bestattungen, Sonnenausrichtung und Prozessionswege sprechen jedoch für einen gemeinschaftlichen Kultort, an dem Ahnenverehrung, Tod, Erneuerung und jahreszeitlicher Wandel eine Rolle gespielt haben könnten. Deutungen als reines Observatorium oder präziser Kalender greifen vermutlich zu kurz.
Stonehenge wurde nicht von historischen Druiden errichtet. Die Hauptbauphasen lagen lange vor den frühesten antiken Berichten über keltische Druiden. Die Verbindung entstand vor allem im 17. und 18. Jahrhundert durch Altertumsforscher wie John Aubrey und William Stukeley, die das Monument fälschlich als Druidentempel deuteten. Diese Vorstellung beeinflusste später neuzeitliche Druidenorden und die keltische Romantik.
Im modernen Paganismus gilt Stonehenge vielen Druiden, Paganen und naturspirituell orientierten Menschen als heiliger Ort. Es steht für den Sonnenlauf, den Jahreskreis, die Verbindung von Leben und Tod sowie die Beziehung zwischen Landschaft, Ahnen und Gemeinschaft. Besonders zur Sommer- und Wintersonnenwende finden Rituale, Gesänge, Meditationen und öffentliche Zusammenkünfte statt. Diese Praktiken sind moderne religiöse Ausdrucksformen und keine gesicherten Rekonstruktionen jungsteinzeitlicher Zeremonien.
Seit den 1970er-Jahren war Stonehenge außerdem ein Zentrum alternativer Kultur. Nach Konflikten um das Stonehenge Free Festival und der gewaltsamen „Battle of the Beanfield“ von 1985 wurde der Zugang stark eingeschränkt. Seit 2000 wird zu den Sonnenwenden wieder ein kontrollierter öffentlicher Zugang ermöglicht.
Stonehenge ist damit zugleich archäologisches Denkmal, Symbol einer verlorenen prähistorischen Glaubenswelt und lebendiges Heiligtum moderner spiritueller Gemeinschaften.
