Als Paradigmenwechsel bezeichnet die Chaosmagie die bewusste und zeitlich begrenzte Übernahme eines bestimmten Weltbildes oder magischen Erklärungsmodells. Dabei wird ein religiöses, psychologisches, animistisches oder materialistisches System so behandelt, als sei es wahr, ohne es dauerhaft als absolute Wahrheit anzuerkennen.
Praktizierende arbeiten für einen festgelegten Zeitraum konsequent innerhalb des gewählten Paradigmas: Gottheiten können etwa als eigenständige Wesen, als psychische Kräfte oder als Symbole verstanden werden. Anschließend wird das Modell bewusst verlassen und seine Wirkung anhand der gemachten Erfahrungen überprüft. Eine bekannte Übung ist Peter J. Carrolls „Random Belief“, bei der das jeweils einzunehmende Weltbild durch einen Würfel bestimmt wird.
Der Paradigmenwechsel soll geistige Beweglichkeit fördern, festgefahrene Überzeugungen lösen und dogmatische Bindungen vermeiden. Glaube gilt dabei nicht als unveränderliche Wahrheit, sondern als vorübergehend einsetzbares Werkzeug. Anders als beim Eklektizismus werden verschiedene Systeme nicht dauerhaft vermischt, sondern nacheinander möglichst konsequent angewendet.
