Die Prinzipien der Einigkeit (englisch Principles of Unity) bilden die gemeinsame ethische und spirituelle Grundlage der Reclaiming–Tradition, einer feministisch, ökologisch und politisch ausgerichteten Richtung des modernen Hexentums. Sie sind kein verpflichtendes Glaubensbekenntnis, sondern ein gemeinsamer Orientierungsrahmen für weitgehend autonome Reclaiming-Gruppen und Einzelpersonen.
Im Mittelpunkt steht die Vorstellung, dass die Erde lebendig, alles Leben heilig und miteinander verbunden sei. Jeder Mensch gilt als unmittelbare Verkörperung des Göttlichen und besitzt eine eigene spirituelle Autorität. Reclaiming befürwortet daher persönliche Freiheit, kritisches Denken, gemeinschaftlich gestaltete Rituale sowie möglichst hierarchiefreie und konsensorientierte Entscheidungsformen.
Die Prinzipien verbinden Spiritualität ausdrücklich mit gesellschaftlichem Engagement. Genannt werden insbesondere ökologische Verantwortung, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, Feminismus, Antirassismus, die Überwindung anderer Unterdrückungsverhältnisse sowie gewaltfreie direkte Aktion. Menschen unterschiedlicher Geschlechter, Herkunft, sexueller Orientierung, sozialer Stellung, Altersgruppen und körperlicher Fähigkeiten sollen einbezogen werden. Ziel ist eine Kultur, die zur Heilung der Erde und ihrer Gemeinschaften beiträgt und auch zukünftige Generationen berücksichtigt.
Die Prinzipien wurden 1997 im Zuge einer organisatorischen Neuausrichtung von Reclaiming im Konsens angenommen und später mehrfach überarbeitet. Sie verdeutlichen den für Reclaiming charakteristischen Anspruch, magische Praxis, persönliche Ermächtigung, Gemeinschaft und politischen Aktivismus miteinander zu verbinden.
