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Spiritualität

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Spiritualität bezeichnet die Ausrichtung des Menschen auf einen übergeordneten Sinn, eine als heilig verstandene Wirklichkeit oder eine Erfahrung, die über das alltägliche Ich hinausweist. Sie kann sich auf Gottheiten, eine transzendente Wirklichkeit, die Natur, den Kosmos, das eigene Selbst oder die Verbundenheit mit allem Lebendigen beziehen. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht.

Der Begriff geht auf das lateinische spiritus zurück, das „Atem“, „Hauch“ oder „Geist“ bedeutet. Das davon abgeleitete spiritualitas bezeichnete im mittelalterlichen Christentum zunächst eine vom Heiligen Geist bestimmte Lebensweise. Spiritualität war eng mit Gebet, Askese, Kontemplation, Gottesdienst und religiöser Gemeinschaft verbunden.

Seit dem 19. und besonders dem 20. Jahrhundert wurde der Begriff erheblich erweitert. Heute wird von christlicher, buddhistischer, islamischer, paganer, esoterischer, naturbezogener oder auch säkularer Spiritualität gesprochen. Der Ausdruck kann sowohl die persönliche Vertiefung einer überlieferten Religion als auch eine individuelle Sinnsuche außerhalb religiöser Institutionen bezeichnen.

Spiritualität und Religion sind daher weder gleichbedeutend noch grundsätzlich gegensätzlich. Religion umfasst meist gemeinschaftlich überlieferte Lehren, Rituale, Erzählungen, ethische Regeln und Institutionen. Spiritualität betont stärker die persönliche Erfahrung und praktische Aneignung solcher Vorstellungen. Viele Menschen verstehen Spiritualität als die innere oder gelebte Seite ihrer Religion. Andere bezeichnen sich als „spirituell, aber nicht religiös“, weil sie institutionelle Bindungen und verbindliche Glaubenslehren ablehnen.

Zum spirituellen Leben können Gebet, Meditation, Kontemplation, Gesang, Fasten, Pilgerreisen, rituelle Handlungen, Naturerfahrungen, Traumdeutung oder das Studium religiöser und philosophischer Texte gehören. Auch ethisches Handeln, künstlerische Tätigkeit und die bewusste Gestaltung des Alltags können spirituell verstanden werden. Spirituelle Praxis kann der Verehrung von Gottheiten, der Selbsterkenntnis, inneren Veränderung, Heilung oder Erfahrung von Verbundenheit dienen.

Im modernen Paganismus ist Spiritualität häufig naturbezogen und diesseitsorientiert. Das Heilige wird in Landschaften, natürlichen Kreisläufen, Jahreszeiten, Körperlichkeit, Gemeinschaft und ritueller Praxis erfahren. Pagane Spiritualität kann polytheistisch, animistisch, pantheistisch oder nichttheistisch ausgerichtet sein. Gottheiten werden je nach Tradition als eigenständige Wesen, Naturmächte, kulturelle Gestalten oder psychologische Archetypen verstanden.

Spiritualität ist nicht mit Mystik oder Esoterik gleichzusetzen. Mystik bezeichnet vor allem die unmittelbare Erfahrung einer göttlichen oder letzten Wirklichkeit. Esoterik umfasst historische Lehren und Praktiken, die sich mit verborgenen Zusammenhängen, höherer Erkenntnis oder geistiger Transformation beschäftigen. Beide können Formen von Spiritualität sein, der Begriff Spiritualität ist jedoch weiter gefasst.

Kritisiert wird vor allem seine Unbestimmtheit. Wenn nahezu jede intensive Erfahrung oder Form der Selbstentwicklung als spirituell bezeichnet wird, verliert der Begriff an Trennschärfe. Weitere Kritik betrifft die Kommerzialisierung religiöser Praktiken, die unreflektierte Übernahme fremder Traditionen und eine übermäßige Konzentration auf das individuelle Wohlbefinden. Problematisch wird Spiritualität außerdem, wenn medizinische, psychische oder gesellschaftliche Probleme ausschließlich als Folgen falschen Denkens oder mangelnder „Energie“ gedeutet werden.

Spiritualität ist somit ein moderner Sammelbegriff für Erfahrungen, Vorstellungen und Praktiken, durch die Menschen Sinn, Transzendenz, Verbundenheit und das Heilige wahrnehmen und gestalten. Sie kann religiös oder säkular, gemeinschaftlich oder individuell, theistisch oder nichttheistisch sein.

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