A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z

Blodeuwedd

Verfasst von

in

Blodeuwedd ist eine Gestalt aus dem vierten Zweig des mittelalterlichen walisischen Mabinogi, der Erzählung Math fab Mathonwy. Sie wird von den Zauberern Math und Gwydion aus den Blüten von Eiche, Ginster und Mädesüß erschaffen, damit sie die Ehefrau von Lleu Llaw Gyffes werde. Der mittelalterliche Text bezeichnet sie nicht ausdrücklich als Göttin.

Während Lleus Abwesenheit verliebt sich Blodeuwedd in Gronw Pebr. Gemeinsam planen sie Lleus Tod und bringen ihn dazu, die außergewöhnlichen Bedingungen seiner Verwundbarkeit zu offenbaren. Der Anschlag misslingt jedoch: Lleu überlebt, wird geheilt und kehrt zurück. Zur Strafe verwandelt Gwydion Blodeuwedd in eine Eule. Ihr Name verbindet dabei vermutlich die Bedeutungen „Blumengesicht“ und „Eulengesicht“.

Traditionell wurde Blodeuwedd vor allem als untreue Ehefrau und Verräterin verstanden. Neuere literarische und feministische Deutungen betonen dagegen, dass sie ohne eigene Zustimmung geschaffen und ausschließlich als Ehefrau für einen anderen bestimmt wurde. Ihre Beziehung zu Gronw kann deshalb auch als Versuch persönlicher Selbstbestimmung gelesen werden, ohne dass dadurch ihre Beteiligung am Mordanschlag aufgehoben wird.

Im modernen Paganismus, in der Göttinnenspiritualität und in Teilen des neuzeitlichen Druidentums wird Blodeuwedd häufig als Göttin oder spirituelle Gestalt der Blumen, der Eule, der Sexualität und der Verwandlung verehrt. Sie kann für Selbstbestimmung, den Übergang zwischen Licht und Dunkelheit sowie den Wechsel der Jahreszeiten stehen. Diese Deutungen sind moderne religiöse Weiterentwicklungen; ein historischer Kult Blodeuwedds ist nicht belegt.

Weitere Beiträge