Der Disibodenberg liegt bei Odernheim am Glan in Rheinland-Pfalz. Auf dem Berg befinden sich die Ruinen eines mittelalterlichen Klosters, das besonders durch seine Verbindung mit Hildegard von Bingen bekannt ist. Archäologische Funde weisen jedoch darauf hin, dass der Ort bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit genutzt wurde. Die genaue religiöse Bedeutung dieser frühen Spuren ist nicht eindeutig geklärt.
Der Berg ist nach dem frühmittelalterlichen Einsiedler Disibod benannt. Um das Jahr 1000 entstand dort ein geistliches Stift, das später in ein Benediktiner- und schließlich in ein Zisterzienserkloster umgewandelt wurde. Hildegard von Bingen lebte von 1112 bis etwa 1150 auf dem Disibodenberg und begann dort mit der Niederschrift ihres Visionswerkes Scivias. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1559 verfiel die Anlage. Im 19. Jahrhundert wurden die Ruinen in einen romantischen Landschaftspark einbezogen.
Für den modernen Paganismus besitzt der Disibodenberg keine historisch nachweisbare, kontinuierliche Bedeutung als heidnisches Heiligtum. Er wird jedoch von einzelnen naturspirituellen und esoterischen Besuchern als Kraftort oder als Ort mit einem besonderen genius loci wahrgenommen. Anziehend wirken vor allem die Verbindung von Natur und Ruinen, die verschiedenen historischen Schichten sowie Hildegards Vorstellung der viriditas, der grünenden Lebenskraft der Schöpfung.
Eine pagane Deutung des Disibodenbergs ist daher vor allem eine moderne spirituelle Interpretation. Historisch sollte klar zwischen archäologisch belegten vorchristlichen Spuren, der christlichen Klostergeschichte und heutigen persönlichen Kraftort-Erfahrungen unterschieden werden.
