Die White Spring ist eine kalkhaltige Quelle am Fuß des Glastonbury Tor im englischen Somerset. Ihr Wasser fließt durch ein 1872 errichtetes viktorianisches Reservoir, das seit 2004 als spiritueller Wassertempel genutzt wird. Im Gegensatz zur eisenhaltigen, rötlich gefärbten Chalice Well entstehen an der White Spring helle mineralische Ablagerungen, denen die Quelle ihren Namen verdankt.
Der Tempel wird von den Companions of the White Spring ehrenamtlich betreut. In den dunklen, von Kerzen beleuchteten Gewölben befinden sich Wasserbecken sowie Schreine unter anderem für Brigid, Our Lady of Avalon, den Erzengel Michael und Gestalten der Feenwelt. Meditationen, Gebete, jahreszeitliche Feiern und rituelle Bäder gehören zur heutigen Nutzung.
Die White Spring besitzt eine ausgeprägt interreligiöse und synkretistische Bedeutung. Keltisch inspirierter Paganismus, christliche Mystik, Marienverehrung, Naturspiritualität und moderne Avalon-Traditionen werden dort miteinander verbunden, ohne einer einheitlichen Glaubenslehre untergeordnet zu sein. Der Ort steht damit beispielhaft für die religiöse Kultur Glastonburys, in der christliche, pagane und esoterische Vorstellungen häufig ineinandergreifen.
Für den modernen Paganismus verkörpert die White Spring besonders die Heiligkeit des Wassers, die Beseeltheit der Landschaft und die Verehrung lokaler Naturkräfte. Ihre heutige Bedeutung beruht jedoch nicht auf einem archäologisch nachgewiesenen antiken Quellheiligtum, sondern auf einer modernen Sakralisierung des Ortes. Gerade diese bewusste Wiederverzauberung eines ehemaligen Wasserreservoirs macht die White Spring zu einem charakteristischen Heiligtum zeitgenössischer paganer Spiritualität.
