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Exorzismus

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Exorzismus bezeichnet eine rituelle Handlung, durch die eine als fremd oder schädlich verstandene geistige Wesenheit aus einem Menschen, einem Tier, einem Gegenstand oder einem Ort vertrieben werden soll. Der Begriff leitet sich vom griechischen exorkízein ab, das ursprünglich ein Beschwören oder Verpflichten durch einen Eid bezeichnete. Erst im religiösen Gebrauch erhielt das Wort seine verbreitete Bedeutung als Austreibung eines Geistes oder Dämons.

Exorzistische Praktiken kommen in zahlreichen religiösen Traditionen vor, unterscheiden sich jedoch stark in ihren Voraussetzungen, Formen und Deutungen. Der heute geläufige Begriff wurde besonders durch jüdische und christliche Vorstellungen von Dämonen und Besessenheit geprägt. Vergleichbare Austreibungs- und Heilungsrituale existieren aber auch in anderen Religionen und Kulturen, ohne dass sie notwendigerweise von denselben Vorstellungen ausgehen.

Im modernen Paganismus spielt Exorzismus keine einheitliche Rolle. Rekonstruktionistische, volksmagische, spiritistische und hexenreligiöse Traditionen besitzen jeweils unterschiedliche Vorstellungen darüber, ob Menschen oder Orte von Wesenheiten besetzt, bedrängt oder beeinflusst werden können. Einige verwenden dafür ausdrücklich den Begriff Exorzismus, während andere von Austreibung, Ablösung, Befreiung, Reinigung oder Geistervertreibung sprechen.

Exorzismus unterscheidet sich von einer allgemeinen Bannung vor allem durch die angenommene Ursache des Problems. Eine Bannung kann sich gegen unbestimmte Belastungen, unerwünschte Energien oder symbolisch verstandene Einflüsse richten. Ein Exorzismus setzt gewöhnlich die Vorstellung einer konkreten, eigenständig handelnden Wesenheit voraus, die sich an einen Menschen, einen Gegenstand oder einen Ort gebunden hat oder von ihm Besitz ergriffen haben soll.

Zu exorzistischen Handlungen können Gebete, Beschwörungen, Befehlsformeln, Räucherungen, Waschungen, Segnungen, Schutzzeichen, Amulette, Opfergaben oder die Anrufung von Gottheiten und Schutzmächten gehören. In manchen Traditionen wird versucht, die Wesenheit mit Autorität zu vertreiben; in anderen wird sie beruhigt, zur Aufgabe ihrer Bindung bewegt oder respektvoll an einen anderen Ort geleitet.

Berichte über Besessenheit müssen mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Verändertes Verhalten, Stimmenhören, Krampfanfälle, Angstzustände oder Wahrnehmungsstörungen können medizinische oder psychische Ursachen besitzen. Ein Ritual darf deshalb keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung ersetzen. Zwang, körperliche Gewalt, Nahrungs- oder Schlafentzug sowie das Absetzen verordneter Medikamente sind gefährlich und ethisch nicht zu rechtfertigen.

In religionswissenschaftlicher Perspektive ist Exorzismus nicht als Beweis für die objektive Existenz von Geistern zu behandeln, sondern als religiöse Deutung und rituelle Bearbeitung von Erfahrungen, die innerhalb einer bestimmten Kultur als Besessenheit verstanden werden.

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