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Ouroboros

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Der Ouroboros oder Uroboros ist die Darstellung einer Schlange oder eines schlangenartigen Drachen, der den eigenen Schwanz ins Maul nimmt und dadurch einen geschlossenen Kreis bildet. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Schwanzverschlinger“. Heute gilt der Ouroboros häufig als Symbol für Ewigkeit, zyklische Zeit, Wiedergeburt und die Einheit von Anfang und Ende. Historisch war seine Bedeutung jedoch vielfältiger und stets vom jeweiligen Bildzusammenhang abhängig.

Zu den frühesten bekannten Darstellungen gehören Schlangenbilder aus dem Grab Tutanchamuns aus dem 14. Jahrhundert v. u. Zt.. Dort umschließen Schlangen Teile einer göttlichen Gestalt, die mit der nächtlichen Vereinigung des Sonnengottes Re und des Totengottes Osiris verbunden wird. Die Schlangen werden meist mit Mehen, der schützenden Schlange des Sonnengottes, in Beziehung gesetzt. Sie symbolisieren hier weniger abstrakte Unendlichkeit als Schutz, kosmische Umgrenzung und die nächtliche Erneuerung der Sonne.

Auch in der griechisch-römischen Magie erscheint der Ouroboros als schützende Grenze. Auf magischen Gemmen und Amuletten umschließt er Gottheiten, Inschriften oder Darstellungen des menschlichen Körpers. Der Schlangenkreis trennt einen geschützten Innenraum von der Außenwelt. Zugleich kann derselbe geschlossene Kreis auch Gefangenschaft, Begrenzung und die Unentrinnbarkeit des materiellen Daseins darstellen.

Besondere Bedeutung erhielt der Ouroboros in der spätantiken und frühneuzeitlichen Alchemie. Berühmt ist eine Darstellung in der sogenannten Chrysopoeia der Kleopatra. Dort umschließt ein teilweise heller, teilweise dunkler Ouroboros die griechischen Worte hen to pan – „Eines ist das All“. Die Schlange steht hier für die Einheit der Materie, die Verbindung von Gegensätzen und den alchemistischen Kreislauf von Auflösung, Reinigung und erneuter Zusammensetzung. In späteren alchemistischen Bildern konnte sie außerdem Tod und Wiedergeburt, Stoffumwandlung und das in sich geschlossene alchemistische Werk verkörpern.

Aus dieser langen Rezeptionsgeschichte entwickelten sich mehrere Deutungen. Der Ouroboros kann für den Kreislauf von Werden und Vergehen, die Wiederkehr der Jahreszeiten, Selbsterschaffung, Regeneration oder die Einheit scheinbarer Gegensätze stehen. Da die Schlange zugleich Verschlingende und Verschlungene ist, eignet sie sich auch als Bild für Selbstbezüglichkeit und Systeme, die sich durch ihre eigenen Vorgänge erhalten.

Im modernen Paganismus, in westlicher Esoterik und in magischen Traditionen wird der Ouroboros häufig mit Naturkreisläufen, Tod und Wiedergeburt, persönlicher Transformation oder dem rituellen Schutzkreis verbunden. Solche Deutungen sind jedoch moderne Weiterentwicklungen und sollten nicht pauschal als ursprüngliche ägyptische Bedeutung verstanden werden.

Der Ouroboros ist somit nicht nur ein Symbol der Ewigkeit. Er verbindet Schutz und Begrenzung, Zerstörung und Erneuerung, Anfang und Ende. Seine anhaltende Wirkung beruht gerade auf dieser Mehrdeutigkeit.

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