Die Externsteine sind eine markante Sandsteinformation im Teutoburger Wald bei Horn-Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen. Die hoch aufragenden Felsen mit ihren Grotten, Treppen, Kammern und Reliefs bilden sowohl ein bedeutendes Naturdenkmal als auch einen kulturgeschichtlich vielfach gedeuteten Ort.
Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Externsteine häufig als vorchristliches oder „germanisches Heiligtum“ interpretiert und mit der in mittelalterlichen Quellen erwähnten Irminsul in Verbindung gebracht. Archäologische Nachweise für eine germanische Kultstätte, eine eisenzeitliche Heiligtumsanlage oder eine kontinuierliche vorchristliche Nutzung fehlen jedoch. Bei Ausgrabungen in den Jahren 1934 und 1935 fanden sich zwar steinzeitliche Werkzeuge sowie mittelalterliche und frühneuzeitliche Hinterlassenschaften, aber keine eindeutigen Spuren eines germanischen Kultbetriebs. Die Grabungen und ihre Ergebnisse wurden während des Nationalsozialismus dennoch ideologisch als Beleg für ein angebliches „germanisches Heiligtum“ vereinnahmt.
Die heute sichtbaren, von Menschen bearbeiteten Anlagen werden überwiegend dem Mittelalter zugerechnet. Naturwissenschaftliche Untersuchungen datieren die Entstehung der sogenannten Kuppelgrotte ungefähr in das 8. Jahrhundert. Auch das bekannte Kreuzabnahmerelief, die Treppen und weitere Felsbearbeitungen stehen wahrscheinlich in einem mittelalterlich-christlichen Zusammenhang.
Im modernen Paganismus und in esoterischen Strömungen gelten die Externsteine dennoch vielfach als spiritueller Kraft-, Versammlungs- oder Ritualort. Solche heutigen religiösen Bedeutungen sind von der Frage nach einer historisch nachweisbaren vorchristlichen Nutzung zu unterscheiden. Die Externsteine zeigen beispielhaft, wie auffällige Naturorte durch romantische Vorstellungen, nationale Ideologien und moderne Spiritualität immer wieder neu mit Bedeutung aufgeladen werden.
