Der Februar ist der zweite Monat des heutigen Kalenders und gilt kulturgeschichtlich als Übergangszeit zwischen Winter und beginnendem Frühling. Sein Name geht auf das lateinische mensis Februarius zurück. Er wird mit den februa, rituellen Reinigungs- und Sühnehandlungen im alten Rom, sowie dem Verb februare – „reinigen“ oder „sühnen“ – verbunden. Da der Februar im älteren römischen Kalender am Ende des Jahres lag, war er besonders von Abschluss-, Reinigungs- und Neuordnungsriten geprägt.
Zu den bedeutenden römischen Februarfesten gehörten die Lupercalia, die Reinigung, Schutz und Fruchtbarkeit miteinander verbanden, sowie die Parentalia, eine mehrtägige Zeit des familiären Totengedenkens. Bei den Terminalia wurden Grenzsteine geehrt und nachbarschaftliche Grenzen rituell bestätigt. Der Monat vereinte damit die Themen Reinigung, Ahnen, Schutz und gesellschaftliche Ordnung.
Eine ältere deutsche Bezeichnung für den Februar ist Hornung. Die genaue Herkunft dieses Namens ist nicht abschließend geklärt. Er gehört jedoch zu den traditionellen Monatsbezeichnungen, die den Jahreslauf anhand von Naturbeobachtungen und bäuerlicher Lebenswelt beschrieben.
Im gälischen Kulturraum wird Anfang Februar Imbolc gefeiert. Das Fest markiert das erste Erwachen des Frühlings und ist mit Licht, Reinigung, Fruchtbarkeit und dem Beginn der Herdensaison verbunden. Eine zentrale Gestalt ist Brigid, die sowohl als vorchristliche Göttin als auch in christlicher Überlieferung als Heilige erscheint. In heutigen paganen und wiccanisch beeinflussten Traditionen wird Imbolc häufig mit Kerzen, Hausreinigungen, Segnungen, Schutzzeichen und der Vorbereitung neuer Vorhaben begangen.
Der christliche Festtag Mariä Lichtmess am 2. Februar greift ebenfalls Licht- und Übergangssymbolik auf. Im europäischen Volkskalender galt er als wichtiger Termin für Wetterregeln, Arbeitsverhältnisse und die Planung des bäuerlichen Jahres. Der nordamerikanische Groundhog Day folgt einem ähnlichen Muster: Aus dem Verhalten eines Tieres und dem Verhältnis von Sonne und Schatten wird die verbleibende Dauer des Winters vorhergesagt.
Auch Fastnachts- und Winteraustreibungsbräuche mit Masken, Lärm und Umzügen gehören in dieses jahreszeitliche Umfeld. Sie dürfen jedoch nicht pauschal als ununterbrochen überlieferte heidnische Riten verstanden werden. Häufig handelt es sich um Bräuche, in denen ältere Motive unter christlichen und später weltlichen Bedingungen neu ausgestaltet wurden.
Im modernen Paganismus steht der Februar vor allem für Reinigung, wachsendes Licht, persönliche Grenzen, Ahnengedenken und Neubeginn. Historische Rituale werden dabei meist nicht unverändert nachgeahmt, sondern symbolisch und unter heutigen ethischen Maßstäben neu interpretiert.
