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Ley-Linien

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Ley-Linien sind gedachte gerade Linien, die auffällige Punkte einer Landschaft miteinander verbinden sollen, etwa vorgeschichtliche Monumente, Grabhügel, Kirchen, Quellen, Burgen oder markante Berge. In heutigen esoterischen Vorstellungen gelten sie häufig als Bahnen einer unsichtbaren „Erdenergie“. Diese Deutung ist jedoch modernen Ursprungs.

Der Begriff geht auf den englischen Amateurforscher Alfred Watkins zurück. In den 1920er-Jahren glaubte er zu erkennen, dass zahlreiche historische Orte und Landschaftsmerkmale auf geraden Linien lagen. In seinem Buch The Old Straight Track von 1925 deutete er diese Linien als Reste vorgeschichtlicher Sicht-, Handels- und Reisewege. Watkins verstand sie nicht als übernatürliche Energiekanäle.

Seit den 1960er-Jahren wurde die Idee in der New-Age- und Earth-Mysteries-Bewegung esoterisch umgedeutet. Autoren wie John Michell verbanden Ley-Linien mit heiliger Geometrie, Wünschelrutengehen, Magnetismus, Atlantis und der Vorstellung eines weltweiten Netzes heiliger Orte. Einheitliche Methoden oder allgemein anerkannte Karten solcher Linien existieren jedoch nicht.

Wissenschaftlich gelten Ley-Linien als nicht belegt. In Landschaften mit zahlreichen archäologischen und historischen Orten lassen sich bei entsprechender Auswahl leicht zufällige Geraden bilden. Zudem stammen die miteinander verbundenen Orte häufig aus weit auseinanderliegenden Epochen. Ein physikalisch messbares Netz besonderer Erdenergien konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Davon zu unterscheiden sind nachweisbare lokale Ausrichtungen, etwa astronomisch orientierte Bauwerke, Prozessionswege oder Steinreihen.

Ley-Linien im modernen Paganismus

Im modernen Paganismus erscheinen Ley-Linien besonders in naturspirituellen, geomantischen und New-Age-beeinflussten Richtungen. Sie können als Energieströme, als symbolische Verbindungen zwischen heiligen Orten oder als Ausdruck einer lebendigen und beseelten Landschaft verstanden werden. Manche Menschen nutzen solche Vorstellungen bei Ritualen, Meditationen oder spirituellen Wanderungen.

Ley-Linien gehören jedoch nicht zu allen paganen Traditionen und sind kein nachweisbares überliefertes Wissen der Kelten, Druiden oder anderer vorchristlicher Kulturen. In ihrer heutigen Form sind sie vor allem eine Vorstellung des 20. Jahrhunderts. Unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt drücken sie den Wunsch aus, Landschaften als zusammenhängende, bedeutungsvolle und spirituell erfahrbare Räume wahrzunehmen.

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