A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z

Mari Lwyd

Verfasst von

in

Die Mari Lwyd („Graue Stute“) ist ein walisischer Winterbrauch, der besonders in Südwales verbreitet war. Dabei wird ein geschmückter Pferdeschädel oder künstlicher Pferdekopf auf einer Stange unter einem weißen Tuch von einer verkleideten Gruppe durch den Ort getragen. Der Brauch findet traditionell um Weihnachten und den Jahreswechsel statt.

Vor Häusern oder Gasthäusern tritt die Gruppe in einem pwnco genannten gesungenen Reimwettstreit gegen die Bewohner an. Nach dem Einlass tanzt die Mari, schnappt nach den Anwesenden und sorgt für ausgelassenes Durcheinander. Die Begleiter erhalten Speisen und Getränke und wünschen dem Haus Glück für das kommende Jahr. Damit gehört die Mari Lwyd zu den britischen Heische- und Wassailing-Bräuchen.

Sicher belegt ist die Tradition seit der Zeit um 1800. Im 19. Jahrhundert war sie vor allem in Glamorgan, Gwent und Carmarthenshire verbreitet, ging später jedoch durch Sprachwandel, religiöse Ablehnung und veränderte Lebensweisen zurück. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird sie vielerorts wiederbelebt.

Häufig wird die Mari Lwyd als Überrest eines vorchristlichen keltischen Pferde- oder Totenrituals bezeichnet. Für eine solche direkte Kontinuität fehlen jedoch historische Belege. Wahrscheinlicher ist eine Verbindung verschiedener Elemente wie Winterumzug, Maskenspiel, Heischebrauch, Dichtung und regionaler Pferdesymbolik.

Im modernen Paganismus und Druidentum wird die Mari Lwyd teilweise als Schwellenwesen des Mittwinters, als Symbol für Tod und Erneuerung oder für den Übergang zum neuen Jahr gedeutet. Diese Lesarten sind moderne religiöse Interpretationen und nicht mit einem nachgewiesenen vorchristlichen Ursprung gleichzusetzen. Zugleich bleibt die Mari Lwyd ein wichtiger Ausdruck walisischer Sprache, Volkskultur und regionaler Identität.

Weitere Beiträge