Die Sámi sind ein indigenes Volk Nordeuropas. Ihr traditionelles Siedlungs- und Kulturgebiet wird Sápmi genannt und erstreckt sich über den Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands bis zur russischen Halbinsel Kola. Sápmi ist kein eigener Staat, sondern ein historisch gewachsener, heute durch mehrere Staatsgrenzen geteilter Kulturraum. Die früher verbreitete Fremdbezeichnung „Lappen“ gilt als überholt und wird vielfach als abwertend empfunden.
Die Zahl der Sámi wird meist auf etwa 80.000 bis 100.000 Menschen geschätzt. Die größte Bevölkerungsgruppe lebt in Norwegen. Die Sámi bilden keine kulturell einheitliche Gemeinschaft, sondern gliedern sich in verschiedene regionale, sprachliche und historische Gruppen. Dazu gehören unter anderem Nord-, Lule-, Süd-, Inari-, Skolt- und Kildinsámi.
Die samischen Sprachen gehören zur uralischen Sprachfamilie und sind mit dem Finnischen und Estnischen verwandt. Sie bilden jedoch keine Dialekte einer einzigen Sprache, sondern mehrere eigenständige Sprachen. Nordsamisch besitzt die meisten Sprecherinnen und Sprecher; andere samische Sprachen sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Ihr Rückgang ist wesentlich auf staatliche Assimilationspolitik, Internatsschulen und die frühere Unterdrückung samischer Sprachen zurückzuführen. Heute bestehen zahlreiche Programme zur sprachlichen Wiederbelebung.
Historisch lebten samische Gemeinschaften von unterschiedlichen Wirtschaftsformen, darunter Fischerei, Jagd, Sammeln, Landwirtschaft, Handwerk und Rentierhaltung. Die häufige Darstellung der Sámi als ausschließlich nomadisches Rentierhirtenvolk ist daher irreführend. Nur ein Teil der samischen Bevölkerung betreibt Rentierwirtschaft, die jedoch weiterhin große kulturelle, wirtschaftliche und symbolische Bedeutung besitzt.
Seit dem Mittelalter geriet Sápmi zunehmend unter die Kontrolle skandinavischer und russischer Staaten. Missionierung, Grenzziehungen, Landnahme, Bergbau, Forstwirtschaft und staatliche Siedlungspolitik schränkten traditionelle Lebensweisen ein. Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert wurden samische Sprachen und kulturelle Praktiken systematisch zurückgedrängt. Kinder wurden teilweise in Internaten unterrichtet und zur Übernahme der jeweiligen Mehrheitssprache und -kultur gezwungen. Die Folgen dieser Politik wirken bis heute fort.
Die vorchristlichen samischen Religionen waren regional unterschiedlich und beruhten vielfach auf einer engen Beziehung zwischen Menschen, Tieren, Ahnen und Landschaft. Heilige Naturorte wurden als Sieidi bezeichnet. Religiöse Spezialisten, häufig noaidi genannt, wirkten als Heiler, Ritualkundige und Vermittler zur geistigen Welt. Zeremonialtrommeln spielten bei Ritualen und der religiösen Orientierung eine wichtige Rolle. Durch die christliche Missionierung wurden viele dieser Praktiken verboten oder verdrängt. Heute gehören zahlreiche Sámi lutherischen oder orthodoxen Kirchen an; daneben bestehen Wiederbelebungen und moderne Neuinterpretationen samischer Spiritualität.
Zu den bekanntesten kulturellen Ausdrucksformen gehören der Joik, eine besondere Form des Gesangs, und Duodji, das traditionelle samische Kunsthandwerk. Auch die regional unterschiedlichen Kleidungsformen, häufig als gákti bezeichnet, dienen als Ausdruck familiärer und kultureller Zugehörigkeit. Samische Literatur, Musik, Kunst und Film beschäftigen sich heute intensiv mit Kolonisierung, Identität, Landrechten und kultureller Selbstbestimmung.
In Norwegen, Schweden und Finnland bestehen gewählte Sámi-Parlamente, deren rechtliche Befugnisse jedoch begrenzt und von Staat zu Staat unterschiedlich sind. Der grenzüberschreitend arbeitende Saami Council vertritt samische Interessen auf internationaler Ebene. Zentrale politische Konflikte betreffen Landrechte, Bergbau, Forstwirtschaft, Windkraft, Infrastrukturprojekte und den Schutz traditioneller Weidegebiete. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels.
Die Sámi sind somit kein Überrest einer vergangenen Kultur, sondern ein modernes, grenzüberschreitendes indigenes Volk mit eigenen Sprachen, politischen Institutionen und lebendigen kulturellen Traditionen.