Ein Amulett ist ein am Körper getragener, mitgeführter oder an einem bestimmten Ort aufbewahrter Gegenstand, dem eine schützende oder unheilabwehrende Wirkung zugeschrieben wird. Es soll seinen Besitzer beispielsweise vor Krankheiten, Unglück, feindlichen Mächten, dem „bösen Blick“ oder anderen Gefahren bewahren. Als Amulette dienen unter anderem Anhänger, Edelsteine, Tierdarstellungen, Figuren, Schriftstücke, religiöse Symbole oder Behälter mit heiligen Texten.
Der Begriff stammt über lateinisch amuletum in die europäischen Sprachen; seine weitere Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Amulette sind aus zahlreichen Kulturen und Epochen bekannt. Im Alten Ägypten wurden etwa Skarabäen, Götterfiguren und Darstellungen des Horusauges getragen oder Verstorbenen beigegeben. Auch in der griechisch-römischen Antike, im Judentum, Christentum und Islam sowie in vielen lokalen und indigenen Traditionen finden sich schützende Anhänger und Schriftamulette.
Die angenommene Wirkung eines Amuletts kann auf seinem Material, seiner Form, einem heiligen Text, der Verbindung zu einer Gottheit oder einer rituellen Segnung beruhen. Religionswissenschaftlich werden Amulette als Formen materieller Religion untersucht: In ihnen verbinden sich religiöse Vorstellungen, körperliches Tragen, symbolische Zeichen und alltägliche Schutzbedürfnisse.
Im modernen Paganismus und in zeitgenössischen magischen Strömungen werden Amulette unter anderem zum persönlichen oder räumlichen Schutz verwendet. Dazu zählen Schutzrunen, Pentakel, Kräuterbeutel, geweihte Steine oder Symbole bestimmter Gottheiten. Die Begriffe Amulett und Talisman werden im Alltag häufig synonym gebraucht. Eine verbreitete, aber nicht allgemeingültige Unterscheidung besagt, dass ein Amulett vor allem Unheil abwehrt, während ein Talisman erwünschte Wirkungen anzieht.
