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Evokation

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Evokation bezeichnet das Hervor- oder Herbeirufen einer Gottheit, eines Geistes oder einer anderen als übernatürlich verstandenen Wesenheit. Der Begriff leitet sich vom lateinischen evocare – „herausrufen“ oder „herbeirufen“ – ab. Allgemeinsprachlich kann Evokation auch das Hervorrufen von Erinnerungen, Vorstellungen oder Gefühlen bezeichnen.

Historische Bedeutung

In der römischen Religion war die evocatio ein staatlich-militärisches Ritual. Während der Belagerung einer feindlichen Stadt konnte deren Schutzgottheit aufgefordert werden, ihren bisherigen Kultort zu verlassen und sich den Römern zuzuwenden. Als Gegenleistung versprach man ihr in Rom einen neuen Kultort, einen Tempel und eine angemessene Verehrung.

Die evocatio sollte die gegnerische Stadt ihres göttlichen Schutzes berauben und zugleich ihre Gottheit in das römische Religionssystem integrieren. Die fremde Gottheit wurde dabei nicht geleugnet oder abgewertet, sondern als wirkmächtige Macht anerkannt. Das bekannteste Beispiel ist die Anrufung der Göttin Juno Regina bei der Eroberung der etruskischen Stadt Veji im Jahr 396 v. Chr. Nach der Überlieferung des Livius wurde ihr versprochen, in Rom einen ihrer Würde entsprechenden Tempel zu erhalten. Ihr Kult wurde anschließend auf dem Aventin angesiedelt.

Diese römische Form der Evokation ist von der späteren privaten Geisterbeschwörung zu unterscheiden. Sie war Teil der öffentlichen Religion und mit Krieg, Kultübertragung und politischer Eingliederung verbunden.

Evokation in der Ritualmagie

In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ritualmagie entwickelte sich Evokation zur Bezeichnung für die Beschwörung von Engeln, Geistern, Dämonen oder anderen geistigen Wesen. Magische Handbücher, sogenannte Grimoires, beschrieben dazu Rituale mit Gebeten, Gottesnamen, Siegeln, Räucherungen, Schutzkreisen und astrologischen Zuordnungen.

Das angerufene Wesen sollte als eine vom Praktizierenden unterschiedene Gegenwart erscheinen, etwa innerhalb eines bezeichneten Raumes, in einem Spiegel oder in einer visionären Wahrnehmung. Ziele solcher Rituale konnten Wissen, Schutz, Heilung oder die Unterstützung durch einen Geist sein.

In der modernen westlichen Ritualmagie wird Evokation häufig von Invokation unterschieden. Evokation bezeichnet demnach die Begegnung mit einer als äußerlich wahrgenommenen Wesenheit, während Invokation die Aufnahme, Verkörperung oder innere Vergegenwärtigung einer Gottheit oder geistigen Kraft meint. Diese klare Trennung ist jedoch vor allem eine moderne Systematisierung; ältere Texte verwendeten beide Begriffe nicht immer einheitlich.

Evokation im modernen Paganismus

Im modernen Paganismus ist Evokation keine allgemein verbreitete oder verbindliche Praxis. Sie kommt vor allem in Richtungen vor, die von zeremonieller Magie, Hermetismus, moderner Hexenkunst oder historischen Grimoire-Traditionen beeinflusst sind.

Die angerufenen Wesen können dabei unterschiedlich verstanden werden. Manche Praktizierende betrachten sie als eigenständige Gottheiten, Ahnen oder Geister. Andere deuten sie psychologisch als Archetypen, unbewusste Persönlichkeitsanteile oder symbolische Verkörperungen bestimmter Kräfte. Wieder andere verbinden spirituelle und psychologische Deutungen.

Viele heutige pagane Praktizierende lehnen die in manchen älteren magischen Texten enthaltene Vorstellung ab, einen Geist durch Drohungen oder bindende Formeln zum Gehorsam zu zwingen. Stattdessen wird Evokation häufig als Einladung, Kontaktaufnahme oder ritueller Austausch verstanden. Gaben, Respekt und gegenseitige Beziehungen können dabei wichtiger sein als Kontrolle oder Unterwerfung.

Evokation ist daher kein allgemeines Kennzeichen paganer Religionen. Sie gehört vor allem zu bestimmten modernen magischen und esoterischen Strömungen, die ältere Ritualformen aufnehmen, neu interpretieren und an gegenwärtige religiöse Vorstellungen anpassen.

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