Das Ringheiligtum Pömmelte ist eine monumentale Kreisgrabenanlage bei Barby im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Sie entstand am Übergang von der Jungsteinzeit zur frühen Bronzezeit und wurde ungefähr zwischen 2300 und 1900 v. Chr. genutzt. Wegen ihrer kreisförmigen Anlage und ihrer zeitlichen Nähe zu Stonehenge wird sie gelegentlich als „deutsches Stonehenge“ bezeichnet. Anders als das englische Monument bestand Pömmelte jedoch überwiegend aus Holz.
Die Anlage wurde Anfang der 1990er-Jahre auf Luftbildern entdeckt und ab 2005 systematisch ausgegraben. Das eigentliche Ringheiligtum hatte einen Durchmesser von etwa 115 Metern. Es bestand aus mehreren konzentrischen Gräben, Wällen, Palisaden und Pfostenringen. Verschiedene Durchgänge führten in das Innere und gliederten den Platz in einzelne Bereiche. Die genaue Anordnung der Zugänge und Pfosten weist wahrscheinlich Bezüge zu bestimmten Sonnenauf- und Sonnenuntergängen im Jahreslauf auf. Pömmelte war jedoch kein astronomisches Observatorium im modernen Sinn, sondern vermutlich ein Ort, an dem kalendarische Beobachtungen, religiöse Vorstellungen und gemeinschaftliche Rituale miteinander verbunden waren.
Der Platz wurde nacheinander von Menschen der Schnurkeramik-, Glockenbecher- und Aunjetitzer Kultur genutzt. Bereits vor dem Bau des großen Ringheiligtums bestanden in der Umgebung Gräber und eine kleinere, annähernd rechteckige Anlage. Das Monument entwickelte sich somit innerhalb einer über mehrere Jahrhunderte genutzten Kult- und Siedlungslandschaft.
Für die Deutung als Heiligtum sind besonders zahlreiche schachtartige Gruben bedeutsam. In ihnen fanden Archäologen absichtlich niedergelegte und teilweise zerstörte Keramikgefäße, Steinwerkzeuge, Mahlsteine sowie Tier- und Menschenknochen. Große Mengen an Gefäßscherben und Tierknochen sprechen für gemeinschaftliche Mahlzeiten, Feste und rituelle Deponierungen. Gegenstände wurden offenbar bewusst aus dem alltäglichen Gebrauch genommen und innerhalb der Anlage niedergelegt.
In einigen Gruben lagen die Überreste von Kindern, Jugendlichen und Frauen in ungewöhnlichen Positionen. Teilweise wiesen die Knochen Verletzungen auf. Deshalb werden Menschenopfer als eine mögliche Erklärung diskutiert. Ein eindeutiger Nachweis ist jedoch nicht möglich; ebenso könnten Gewaltereignisse oder besondere Bestattungsrituale hinter den Befunden stehen. Daneben wurden reguläre Gräber entdeckt, in denen ausschließlich Männer nach den üblichen Bestattungssitten ihrer Zeit beigesetzt worden waren.
Neuere Grabungen zeigten, dass das Ringheiligtum nicht isoliert lag. In unmittelbarer Nähe befanden sich ausgedehnte Siedlungen mit zahlreichen Wohnhäusern, Speichergruben und Wirtschaftsflächen. Mehr als hundert Hausgrundrisse der frühen Bronzezeit wurden dokumentiert. Pömmelte war daher nicht nur ein religiöser Kultplatz, sondern zugleich ein bedeutendes Siedlungs-, Wirtschafts- und Versammlungszentrum.
Die Bezeichnung „deutsches Stonehenge“ verdeutlicht zwar Gemeinsamkeiten wie die Kreisform, monumentale Bauweise und astronomische Orientierung, kann aber irreführend sein. Pömmelte war keine Kopie von Stonehenge, sondern eine eigenständige mitteleuropäische Form eines monumentalen Ritualortes. Vergleichbare Vorstellungen und Baukonzepte könnten sich durch überregionale Kontakte innerhalb der Glockenbecherkultur verbreitet haben.
Nach dem Ende der Nutzung wurde die Anlage wahrscheinlich planmäßig aufgegeben und teilweise abgebaut oder verbrannt. Am ursprünglichen Standort befindet sich heute eine Rekonstruktion, die die nachgewiesenen Pfostenringe, Palisaden, Gräben und Wälle sichtbar macht. Farbige Bemalungen und Verzierungen beruhen dagegen auf ergänzenden Interpretationen nach Motiven der damaligen Zeit.
Das Ringheiligtum Pömmelte gehört heute zum archäologisch-touristischen Netzwerk „Himmelswege“. Für die Erforschung vorgeschichtlicher Religionen ist der Fundplatz besonders bedeutsam, weil er das Zusammenspiel von Ritual, Bestattung, Gemeinschaft, Landwirtschaft und Landschaft erkennen lässt. Schriftliche Überlieferungen über Gottheiten oder Glaubensvorstellungen existieren nicht; erschließbar sind lediglich die Bauformen und Handlungen der Menschen. Pömmelte zeigt daher beispielhaft, dass religiöse Zentren der europäischen Vorgeschichte zugleich Kultplatz, Siedlungsmittelpunkt, Gedächtnisort und gesellschaftlicher Versammlungsraum sein konnten.
