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Kelten

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Als Kelten werden verschiedene Bevölkerungsgruppen des europäischen Altertums bezeichnet, die durch verwandte Sprachen, kulturelle Kontakte und teilweise ähnliche Formen materieller Kultur miteinander verbunden waren. Nach heutigem Forschungsstand bildeten sie jedoch weder ein einheitliches Volk noch eine geschlossene politische, religiöse oder biologische Gemeinschaft.

Der Begriff geht auf griechische und römische Autoren zurück, die Bezeichnungen wie Keltoi, Celtae, Galatai oder Galli verwendeten. Diese Namen bezeichneten jedoch nicht immer dieselben Bevölkerungen. Zudem handelte es sich meist um Fremdbezeichnungen. Ob sich größere Gruppen selbst überregional als „Kelten“ verstanden, ist nicht nachweisbar.

In der Forschung besitzt der Begriff mehrere Bedeutungen. Sprachwissenschaftlich bezeichnet „keltisch“ einen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Zu den antiken keltischen Sprachen gehörten unter anderem Gallisch, Keltiberisch, Lepontisch und Galatisch. Erhalten geblieben sind die inselkeltischen Sprachen Irisch, Schottisch-Gälisch, Manx, Walisisch, Kornisch und Bretonisch.

Archäologisch wurden die Kelten lange besonders mit der Hallstattkultur der frühen Eisenzeit und der späteren Latènekultur verbunden. Die Hallstattkultur entwickelte sich vor allem zwischen etwa 800 und 450 v. Chr. in Teilen Mitteleuropas. Die Latènekultur verbreitete sich seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. über große Teile Mittel- und Westeuropas und ist unter anderem durch kunstvolle Metallarbeiten, geschwungene Ornamente, Schmuck, Waffen und befestigte Siedlungen gekennzeichnet.

Heute gelten Hallstatt und La Tène jedoch als archäologische Kulturbegriffe, nicht als Bezeichnungen eindeutig abgrenzbarer Völker. Ähnliche Gegenstände können durch Handel, politische Beziehungen, reisende Handwerker, Heiratsverbindungen oder kulturelle Übernahme verbreitet worden sein. Aus einem bestimmten Schmuckstil lässt sich daher weder sicher auf eine gemeinsame Sprache noch auf eine einheitliche ethnische Identität schließen.

Die eisenzeitlichen Gesellschaften waren regional sehr verschieden. Neben bäuerlichen Gehöften bestanden befestigte Höhensiedlungen und größere Zentralorte, sogenannte Oppida. Reich ausgestattete Gräber zeigen, dass es in manchen Regionen mächtige Eliten und weitreichende Handelskontakte gab. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte jedoch von Landwirtschaft, Viehzucht und Handwerk.

Auch eine einheitliche „keltische Religion“ lässt sich nicht rekonstruieren. Archäologische Funde belegen Heiligtümer, Opfergaben, Festmahle sowie Niederlegungen von Waffen und Schmuck in Gewässern. Viele Gottheiten waren offenbar an bestimmte Orte, Quellen, Flüsse oder Gemeinschaften gebunden. Die aus antiken Berichten bekannten Druiden werden als religiöse Spezialisten, Lehrer, Rechtskundige oder politische Berater beschrieben. Da diese Berichte meist von griechischen und römischen Autoren stammen, müssen sie kritisch beurteilt werden.

Neuere genetische Untersuchungen zeigen Verwandtschaftsnetzwerke, Mobilität und unterschiedliche Formen der sozialen Organisation. Sie bestätigen jedoch nicht die Existenz eines einheitlichen „Keltenvolkes“. Ein „keltisches Gen“ gibt es nicht; genetische Abstammung lässt keine unmittelbaren Aussagen über Sprache, Religion oder kulturelle Identität zu.

Seit dem 18. und 19. Jahrhundert wurde „keltisch“ außerdem zu einem wichtigen Begriff moderner regionaler und nationaler Identität, besonders in Irland, Schottland, Wales, Cornwall, der Bretagne und auf der Isle of Man. Diese modernen keltischen Identitäten beruhen vor allem auf Sprache, Geschichte, Literatur und Kulturbewegungen. Sie sind keine unveränderte Fortsetzung einer einheitlichen antiken Gemeinschaft.

Nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis ist „Kelten“ daher vor allem ein Sammelbegriff. Er ist sinnvoll, wenn klar benannt wird, ob von antiken Fremdbezeichnungen, keltischen Sprachen, eisenzeitlichen Kulturen oder modernen Identitäten die Rede ist.

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