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Weltenachse

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Die Weltenachse ist die Vorstellung einer senkrechten Verbindung zwischen verschiedenen Bereichen des Kosmos. Häufig verbindet sie Himmel, irdische Welt und Unterwelt oder das Reich der Toten. Sie bildet zugleich einen Mittelpunkt, von dem aus die Welt räumlich und symbolisch geordnet wird.

Dargestellt werden kann die Weltenachse als Weltenbaum, Berg, Säule, Pfahl, Leiter, Tempelturm, Feuer oder aufgerichtete menschliche Gestalt. Beim Weltenbaum reichen die Wurzeln in die Tiefe, während Stamm und Krone die menschliche Welt mit dem Himmel verbinden. Bekannte Beispiele für vergleichbare kosmische Mittelpunkte sind der nordische Weltenbaum Yggdrasil und der indische Berg Meru. Nicht jeder heilige Baum oder Berg ist jedoch automatisch eine Weltenachse; entscheidend ist seine Funktion als Verbindung kosmischer Bereiche.

Zur senkrechten Gliederung tritt häufig eine waagerechte Ordnung. Um die Mitte gruppieren sich Himmelsrichtungen, Elemente, Landschaftsbereiche oder Jahreszeiten. Ein Tempel, Ritualplatz oder Altar kann dadurch als verkleinertes Abbild des Kosmos erscheinen. Die Weltmitte muss dabei nicht geografisch einmalig sein: Sie kann an verschiedenen Orten rituell erneuert werden.

Im modernen Paganismus kann die Weltenachse im Zentrum eines Ritualraumes symbolisch errichtet werden. In kreisförmigen Ritualen ordnen die angerufenen Himmelsrichtungen den Raum horizontal, während ein Altar, Feuer, Baum, Stab oder Kessel die vertikale Verbindung verkörpert. Unter den Teilnehmenden liegt symbolisch die Tiefe der Erde, über ihnen der Himmel, während sie selbst in der mittleren Welt stehen. Allerdings besitzt nicht jedes pagane Kreisritual ausdrücklich eine solche kosmologische Bedeutung.

Ein besonders deutliches Modell verwendet die moderne druidische Religionsgemeinschaft Ár nDraíocht Féin (ADF). In ihrer Ritualordnung bilden Feuer, Brunnen und Baum drei heilige Tore. Der Brunnen verbindet den Ritualplatz mit der Tiefe, den Ahnen und den Mächten unterhalb der Erde. Das Feuer richtet sich zum Himmel und vermittelt Opfergaben an die Gottheiten. Der Baum steht in der mittleren Welt, ist aber zugleich in der Tiefe verwurzelt und zum Himmel ausgerichtet. Er übernimmt damit die Funktion einer Weltenachse, welche die drei Bereiche miteinander verbindet.

ADF-Rituale errichten gewöhnlich keinen magischen Kreis nach wiccanischem Vorbild. Stattdessen entsteht der heilige Mittelpunkt durch das gemeinsame Anrufen und Öffnen von Feuer, Brunnen und Baum. Dieses Ritualmodell ist eine moderne religiöse Ausgestaltung historischer und religionsvergleichender Motive, keine unverändert überlieferte vorchristliche Praxis.

Die Weltenachse steht allgemein für kosmische Ordnung, Orientierung und die Möglichkeit des Übergangs. Im Ritual verwandelt sie einen gewöhnlichen Ort in eine symbolische Weltmitte, an der Beziehungen zwischen Menschen, Gottheiten, Ahnen und anderen Wesen gedacht oder rituell gestaltet werden können.

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