Schwarze Kunst ist eine ältere Bezeichnung für Magie, Zauberei oder Hexerei, insbesondere für Praktiken, die als schädigend, verboten, dämonisch oder moralisch verwerflich gelten. Der Ausdruck bezeichnet jedoch keine einheitliche historische Tradition, sondern ist vor allem ein Wertungs- und Abgrenzungsbegriff. Welche Handlungen als Schwarze Kunst galten, hing von den religiösen und gesellschaftlichen Normen der jeweiligen Zeit ab.
Die magische Bedeutung des Begriffs steht vermutlich mit der mittelalterlichen Nigromantie in Verbindung. Dieses Wort entwickelte sich aus lateinisch necromantia, der Befragung der Toten, wurde aber mit niger, „schwarz“, in Verbindung gebracht. Im Mittelalter bezeichnete Nigromantie zunehmend eine gelehrte Form verbotener Ritualmagie. Ihre Texte enthielten unter anderem Beschwörungen, Gebete, magische Kreise, astrologische Berechnungen und die Namen von Geistern oder Dämonen. Sie war daher nicht mit volkstümlicher Hexerei identisch, sondern wurde vor allem in gebildeten, teilweise geistlichen Kreisen überliefert.
Innerhalb der christlichen Dämonologie galten magische Wirkungen häufig als Täuschungen oder als Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Dämonen. Dadurch konnten auch Heil-, Schutz- und Wahrsagepraktiken als Schwarze Kunst verurteilt werden. Besonders bedeutsam war der Begriff Maleficium, der einen angeblich durch Zauberei verursachten Schaden bezeichnete. Dazu wurden Krankheiten, Unfruchtbarkeit, Viehsterben, Missernten oder der Tod von Menschen gerechnet. Während der frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen verband man solche Vorstellungen mit dem Teufelspakt und dem vermeintlichen Hexensabbat.
Zur Schwarzen Kunst wurden je nach Epoche Flüche, Verwünschungen, Liebes- und Zwangszauber, Totenbeschwörung, Dämonenanrufung, magische Angriffe und bestimmte Formen der Wahrsagung gezählt. Viele Berichte über solche Praktiken stammen jedoch aus theologischen Schriften oder Hexenprozessen. Sie geben daher häufig eher die Vorstellungen der Ankläger als die tatsächlichen Handlungen der Beschuldigten wieder.
Die spätere Gegenüberstellung von Weißer und Schwarzer Magie unterscheidet zwischen angeblich hilfreichen und schädigenden Anwendungen. Historisch ist diese Einteilung jedoch unscharf. Ein Schutz- oder Bannzauber konnte von seinen Anwendern als notwendig und gerechtfertigt, von religiösen Autoritäten aber als unerlaubte Magie betrachtet werden. Auch im modernen Paganismus wird die starre Einteilung häufig abgelehnt. Magische Handlungen werden dort eher nach Absicht, Zustimmung, Verhältnismäßigkeit und möglichen Folgen beurteilt.
Schwarze Kunst ist nicht grundsätzlich mit Satanismus gleichzusetzen. Historisch wurden auch nichtchristliche Religionen, volkstümliche Heilpraktiken, Astrologie oder Geisterbeschwörung als Schwarze Kunst bezeichnet. In kolonialen Zusammenhängen diente der Ausdruck zudem dazu, fremde religiöse Traditionen pauschal als primitiv oder dämonisch abzuwerten.
In Literatur und Populärkultur bezeichnet Schwarze Kunst meist eine verbotene, gefährliche oder korrumpierende Form der Magie. Religionswissenschaftlich ist es jedoch genauer, konkrete Begriffe wie Schadenzauber, Nekromantie, Dämonenbeschwörung, Fluchmagie oder Ritualmagie zu verwenden.
Eine weitere, nichtmagische Bedeutung besitzt der Ausdruck im Buchdruckerhandwerk. Wegen der verwendeten Druckerschwärze wurde der Buchdruck traditionell ebenfalls als Schwarze Kunst bezeichnet.
